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Kopfwürmer

Glühbirne/LED 

Heutzutage wird die normale Glühbirne von der viel effektiveren Leuchtdiode abgelöst. Die einfache Glühbirne wird so zum Hightech-Produkt geadelt. Die LED macht sozusagen die Glühbirne zum „von und zu“ der Beleuchtung. Somit führte der eigentliche Zweck von Glühbirnen von der reinen Erhellung von Räumlichkeiten zu einer Veränderung in der Aus- und Beleuchtung von Gegenständen und Räumen. 

Inwieweit eine Erleuchtung eintritt, liegt dann an den beteiligten Personen. Stellt sich die Frage, ob die Erleuchtung so allumfassend und grundlegend sein kann , wie sie es sein sollte. Nun ja, über die Tiefe der Erleuchtung sei hier mal Stillschweigen bewahrt. 

Zurück zum Ausgangspunkt: Die bloße Erhellung sollte niemals im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Vielmehr die weiter reichende Beleuchtung, ob unmittelbar oder indirekt, ist hier von zentraler Bedeutung. Einfach nur hell strahlen reicht dann eben nicht mehr, sondern insbesondere die genaue Ausleuchtung sollte von Interesse sein. 

Eine genaue Erleuchtung findet vor allem dann statt, wenn über das eigentliche Anwesendsein von Dingen auch ein Zugewinn an Erkenntnis seitens des Beobachters stattfindet. Der Zugewinn ist natürlich höchst individuell, kann also nicht pauschal vermutet werden. Dennoch muss dem Betrachter klar sein, dass sein Blick gelenkt wurde vom Initiator der Beleuchtung, der mit der Auswahl der beleuchteten Objekte stets auch etwas von sich preisgibt. Konkret heißt das, sich nicht von der Gegenwart bestimmter Dinge blenden zu lassen, sondern tiefer zu blicken. Tiefer zu blicken heißt in diesem Fall, in den Brunnen der Erkenntnis hinabzuschauen. 

Exemplarisch seien hier die von mir ausgewählten und ausgeleuchteten Objekte an den Wänden meiner Wohnung genannt. Unbeleuchtet fristeten diese ein Dasein im Verborgenen. Beleuchtet aber treten diese in den Vordergrund der Betrachtung. Die Chronologie der beleuchteten Objekte ist zwar von mir bestimmt, aber ihre genaue Bewertung obliegt dann doch dem Betrachter. 

Apropos Bewertung: Je genauer ein Objekt in den Fokus des Betrachters rückt, desto passender muss dessen Beleuchtung gewählt sein. Womit wir wieder beim Anfang der Überlegungen wären: Die Glühbirne hat sich zur viel aussagekräftigeren LED „gemausert“, mit anderen Worten: Hell kann jeder. 

Herr Müller sieht die Welt

Kaba 

Trotz der Ähnlichkeit im Namen hat Kaba nichts mit Kuba zu tun, obwohl die Pflanzen, die für Kaba benötigt werden, auch auf Kuba wachsen würden, aber nö, Kaba und Kuba sollten hier nicht verwechselt werden. Trotzdem schmeckte mir Kaba zum Frühstück ausgesprochen gut, auch wenn ich mein Frühstück nur selten auf Kuba einnahm. 

Ernesto sah mich Kaba trinken und wollte auch davon probieren. Seine Erfahrung mit Traubenzucker ließ ihn hoffen, dass Kaba vielleicht eine ähnliche Wirkung auf ihn hätte. Leider blieb der erwartete Erfolg aus, trotzdem schmeckte es ihm deliziös. 

Dass Kaba und Kuba nur vom Wortlaut ähnlich waren, wurde Ernesto spätestens dann klar, als wir einmal auf Kuba waren und Ernesto dort Kaba trinken wollte. Es gab keinen. Die Funktionsweise internationaler Handelsbeziehungen war ihm nicht klar. Es oblag dann mir, ihm diese näherzubringen. Zum Verhältnis von Kuba und Kaba fiel mir aber auch nichts ein. Vielleicht mussten wir uns einfach damit abfinden, dass Kaba gut schmeckt, egal wo man auf der Welt ist und dass Ernestos Namensgeber Ernest Hemingway auch oft auf Kuba weilte, dort aber eher selten Kaba trank. Zum Verhältnis von Kaba und Hemingway lässt sich nur noch sagen, dass Hemingway ja auch starker Genussmensch war, ihm also Kaba sicherlich sehr geschmeckt hätte, aber das lässt sich nur in das Reich der Vermutungen abschieben. Sicher hingegen ist, dass Hemingway oft auf Kuba weilte. Was er dort im Detail tat, weiß nur er selbst. 

Zurück zu Kaba: Der ursprünglich farbgebende Kakao ist hier leider stark aufgezuckert und mit anderen Inhaltsstoffen versetzt. Überhaupt ist das viel billigere Streckmittel Zucker zu Hauf darin enthalten. Ernesto bemerkte, dass wohl die Wirkung des Kabas auf ihn nicht in seiner Kakaohaltigkeit, sondern viel mehr in seinem hohen Zuckeranteil begründet lag. Als Konsequenz daraus versuchte Ernesto jetzt mal auf jeglichen Zucker zu verzichten oder ihn zumindest zu minimieren. Aber reiner Kakao schmeckt sehr bitter, das weiß jeder, der mal mit reinem Kakao gebacken hat. Für Ernesto ergab sich daraus, dass er sein eigenes Kaba mixte. Er nahm Kakaopulver, ein wenig Zucker und schwupp hatte er sein eigenes Kaba! Das schmeckte zwar nicht ganz so süß, dafür aber viel Schokoladiger! Die von Ernesto erdachte Vermarktung blieb dann aber doch aus. 

Herr Müller sieht die Welt

Baumwolle 

Die Verwunderung bei Ernesto war groß, als ich ihm mitteilen musste, dass Baumwolle keine Bäume enthielt, auch wenn der Name darauf hindeutet. Ernesto mochte Baumwolle am liebsten, weil das Tragegefühl bei Baumwolle am angenehmsten sei. Auf meine Frage hin, was er denn bitte für Kleidungsstücke aus Baumwolle trüge, guckte er mich verwundert an und sagte, dass seine Söckchen und sein Unterhemd aus Baumwolle so angenehm zu tragen seien. Natürlich war mir schon seit geraumer Zeit aufgefallen, dass Ernesto Söckchen und Unterhemd trug. Dass sie aber aus Baumwolle waren, wusste ich nicht. 

Dieses Wissensdefizit versuchte ich natürlich sogleich wett zu machen, fragte ihn nach weiteren Kleidungsstücken seiner Wahl, aber es gab keine weiteren, so seine Aussage. Die Söckchen und das Unterhemd waren ja auch mehr als genug, das musste ich erstmal verdauen. 

Immerhin trug er die Söckchen nicht in seinen Adiletten, das beruhigte mich doch sehr. Andererseits sind ja Schildkröten in Museen und Kirchen seltener zu sehen. Man lief also nicht so häufig Gefahr, diese dort mit besagter Kombination anzutreffen, wie man diese dort bei Touristen oft sah. Museen und Kirchen wurden von Ernesto dann doch eher barfuß betreten. Gerade bei Kirchen hatte das ja eine fast spirituelle Bedeutung. Das Unterhemd konnte in beiden Gebäudearten weiterhin getragen werden. 

Die spirituelle Bedeutung des Barfußlaufens in Kirchen wurde nochmal unterstrichen durch das Füßewaschen, wie es zum Beispiel der Papst bei Straftätern tat. Man könnte jetzt Fußfetischismus dahinter vermuten, aber das ginge wohl zu weit. Füße sind wohl eher das verbindende Körperteil von Mensch oder Tier und Erde. 

Die von Ernesto so gern getragene Baumwolle stellte sich also für den Träger als angenehmste Wahl der zur Verfügung stehenden Stoffe dar. Die darin vermuteten Bäume äußerten sich als Denkfehler seinerseits. Schnell musste Ernesto feststellen, dass man Baumwolle im Gegensatz zu Gurke oder Tomate nicht essen konnte, auch wenn dies ihre Herkunft vermuten ließ. Weder Salz noch Pfeffer machten sie schmackhafter. 

Herr Müller sieht die Welt

Waschlappen 

Als ich in meiner Morgenroutine beim Gesicht angekommen war, stellte ich fest, dass Ernesto mich die ganze Zeit beobachtet hatte. Nach einigen Minuten äußerte er den Wunsch, ebenfalls so einen Waschlappen haben zu wollen, vereinfachte dieser doch das morgendliche Badezimmer-Ritual. Für Schildkröten wie Ernesto eine war, war es zunächst ungewohnt, sich allmorgendlich zu waschen. Aber Ernesto war darum bemüht, sich den mitteleuropäischen Gepflogenheiten anzupassen. 

So kam es dazu, dass er neuerdings die allmorgendliche Tasse Kaffee schon am Bett zu sich nahm. Das musste ich ihm aber erstmal wieder abgewöhnen, da es regelmäßig zu Unfällen im Bett kam und die entstandenen Flecken schwer zu erklären waren. Andere mitteleuropäische Gepflogenheiten wie zum Beispiel Müll rausbringen, Hauswoche erledigen, abwaschen – sofern es keine Spülmaschine gab – und freundlich grinsen und Guten Tag sagen, konnten dagegen als Marotten bestehen bleiben. 

Angesichts der immer höher werdenden Temperaturen dieses Landes bot der Waschlappen natürlich auch eine willkommene Abkühlung mit kaltem Wasser getränkt in den Nacken gelegt. Der Waschlappen kam also jetzt zunächst häufiger zum Einsatz, insbesondere angesichts der starken Hitze des Sommers. Er verschaffte Ernesto und auch mir angenehme Kühle bei steigenden Temperaturen. 

Das Morgenritual trug so also für uns beide auch zur Abkühlung des Körpers bei. Leider reichte die angestrebte Abkühlung nicht für längere Zeit. Über den Tag verteilt mussten regelmäßig weitere Möglichkeiten der Abkühlung geschaffen werden. So konnten auch Sprühstöße mit der Wasser-Sprühflasche der Zimmerpflanze getätigt werden. Die zweckentfremdete Sprühflasche der Zimmerpflanze trug wie so viele Dinge unbeabsichtigt zu ihrem Erfolg bei. Das Geheimnis der Zweckentfremdung kam also nicht nur beim Gebrauch des Waschlappens zur Geltung, sondern auch bei dem Gebrauch der Sprühflasche, die eigentlich für Pflanzen gedacht war. 

Seinem Wunsch, den Waschlappen stets mit in die Badewanne zu nehmen, konnte ich nur bedingt entsprechen, nahm er doch nur einmal pro Woche ein Bad. Die Wasserkosten sollten ja überschaubar bleiben. 

Kowalski lebt

Hitze 

Seitdem sich in den letzten Jahren endlich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass wir wohl doch maßgeblich zur Erwärmung des Klimas beigetragen haben, mussten wir jetzt Maßnahmen finden und ergreifen, diese zu stoppen. 

Es wäre höchste Eisenbahn, dass dieser Umstand von allen anerkannt wird. Aber solange ein Präsident im Weißen Haus regiert, der nach wie vor die NRA für den größten Verteidiger des privaten Waffenbesitzes hält und dieses positiv bewertet und den Klimawandel nach wie vor leugnet, steht dies wohl nicht an. 

Spätestens wenn in einem Café neben einem sich Inder Luft zuwedeln, scheint es doch relativ warm zu sein. Der Umstand, dass wir aus Klimafluchtgründen hoch in den Norden zum Urlauben gefahren sind, die Hitze uns aber verfolgte und dort für Temperaturen von 30-35 Grad sorgte, trug bei uns einmal mehr zum Bemerken des Klimawandels bei. 

Große Hitze war ja allgemein schon schwer zu ertragen. Nochmals bedrohlicher wurde dies für bodennahe Hunde, wie Waltraut einer war. Versiegelte Flächen stellten eine nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle für sie dar. Das Stichwort Versiegelung war insbesondere in urbanen Regionen von Belang, erhitzten sich diese doch merklich schneller als Naturböden. 

Unsere Klimaflucht machte also gar keinen Sinn mehr. Es blieb uns nur die Frage, ob wir unser Verhalten anpassen konnten oder mit dem Presslufthammer alle versiegelten Flächen aufzubrechen seien. Wie auch immer, wir mussten dringend etwas gegen die zunehmende Hitze unternehmen. Insbesondere die vielfach-Nutzer umweltschädlicher Fortbewegungsmittel sollten sich mal fragen, ob diese Art der Fortbewegung nicht nur sie weiterbringt, die Mehrheit aber unberücksichtigt lässt. 

Waltraut war der Überzeugung, dass sie ja mit dem Beinheben an Laternenmasten zur Abkühlung des Klimas beitrüge. Trotzdem musste sie erkennen, dass dies wohl offensichtlich nicht genügte. Die von ihr initiierte Aktion einer Unterschriftenliste für mehr Springbrunnen in unserem Stadtteil trug so neben dem Aufbrechen der versiegelten Flächen zu einer merklichen Abkühlung des städtischen Klimas bei. 

Ach, wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Herr Müller sieht die Welt

Wasabi 

Im Zuge des in Mode gekommenen Sushis versuchten wir jetzt auch einmal diese japanische Köstlichkeit. Allerdings nur in Einzelteilen, im Ganzen bekam Ernesto Sushiröllchen gar nicht in den Mund. Dabei versuchten wir auch, diese Leckereien noch mehr zu verfeinern, indem wir das Sushi in Wasabi eindippten. Nun ja, der Erfolg war überschaubar. Ernesto konnte drei Tage lang nichts mehr schmecken und mir war es schlicht zu scharf. 

An dieser Stelle sei mal auf einen Film mit selbigem Titel (Wasabi) hingewiesen mit Jean Reno (auch bekannt aus den Filmen „Leon der Profi“ und „Die purpurnen Flüsse“), nur so ganz nebenbei. Sehr zu empfehlen. 

Aber zurück zum Thema: Wasabi muss man mögen, gerade im Zusammenhang mit Sushi. So scharf ist nicht Jedermanns Sache, auch wenn es wohl zum Sushi dazugehört. Gutes Wasabi ist irrsinnig teuer, das bei Sushi häufig hier zu erhaltene Wasabi ist leider nur ein Abklatsch des Originals. Trotz dem wir es nicht mögen, so trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen. 

Wasabi als Krönung einer ohnehin deliziösen Mahlzeit muss dem Konsumenten hierzulande erst näher gebracht werden. Der hiesige Gaumen in seiner ganzen Breite muss sich erst an die neue Schärfe gewöhnen bzw. die Breite des Gaumens noch erweitert werden. In diesem Zusammenhang macht es dann auch keinen Sinn, von abgerundetem Geschmack zu sprechen, weil das ja auch gar nicht das Ziel sein kann. So etwas Scharfes, ja Eckiges, wie Wasabi kann halt nicht abgerundet werden. Das käme der Quadratur des Kreises gleich. Geschmäcker sind jedoch, so verschieden sie sind, niemals sperrig. Sushi als Ausdruck neuartiger Texturen und Geschmacksverbindungen hat in unserer Küche Eingang gefunden. Das dazugehörige Wasabi noch nicht und das hat seine Gründe. Diese Gründe will ich hier gar nicht beurteilen, könnten jedoch in der extremen Schärfe begründet liegen. 

Für Ernesto spielte es ohnehin eine untergeordnete Rolle, da er sowieso genug von extravaganten Spezialitäten hatte. Eine Currywurst mit Pommes von unserem Kiezimbiss war für ihn das höchste der Gefühle. Unser Kiezimbiss verfügte eh nicht über ein passendes Sushi-Angebot. 

Manchmal lohnt der Blick über den Tellerrand, manchmal aber auch der Blick auf den Teller. 

Kopfwürmer

Bla bla Teil 3 

Die Idee der Loge im Fahrstuhl (siehe Bla bla Teil 2) war zwar eine gute, jedoch stellte sich schnell heraus, dass sie relativ unpraktikabel war. Sie hätte ja ständig mit Tieren besetzt sein müssen und weder Waltraut noch die Schildkröten hatten Bock auf Nachtschichten. Also kam ihnen relativ schnell die Idee des Übertragens der Kommentare per Monitor. Zum einen konnte man so die Nachtstunden überbrücken (Dauerschleife), zum anderen konnte das System auch als Franchising Produkt in anderen Fahrstühlen angebracht werden bzw. deren Besitzern angeboten werden. Das Kommentieren der Fahrstuhlbesatzung erfolgte dann gemütlich von ihrem Zuhause aus. 

Die Idee des Franchisings verbreitete sich in unserem Kiez rasend schnell, sodass alsbald viele Fahrstühle über ähnliche Monitore verfügten. Es war sogar zu beobachten, dass Fahrstühle erwartungsschwanger betreten wurden und dann aber schnell wieder enttäuscht verlassen wurden, als festgestellt wurde, dass diese über keinen Monitor verfügten. In der Folge führte das zu einer Art Fahrstuhl-Tourismus. Sämtliche Häuser in unserem Kiez und die dazugehörigen Fahrstühle wurden auf ihre Monitor-Logen hin untersucht. Letztlich einigte man sich darauf, entsprechende Fahrstühle mit Aufklebern zu kennzeichnen, um es dem geneigten Besucher einfacher zu machen, diese zu finden. 

Die Idee des Popcorn-Verkaufs erwies sich als unrentabel, weil sich kaum studentische Hilfskräfte zur Verfügung stellten. Auch der Absatz von Schokoriegeln blieb überschaubar. Das Geld musste also mit dem eigentlichen Franchising verdient werden. Aber im Laufe der Zeit meldeten sich immer mehr Interessenten für die entstandenen Werbeflächen der Monitore. So wurde der Fahrstuhl-Monitor immer mehr zum Must-Have in der Fahrstuhl-Branche, sodass alsbald kein Fahrstuhl mehr ohne Monitor in unserem Kiez installiert war. 

Ernesto und Freunde profitierten dahingehend davon, dass sie von der IHK jetzt zum Start-Up-Unternehmen des Jahres gewählt wurden. 

Liebe Leser, das vermeintliche Bla bla erweist sich immer stärker als handfeste Manifestation des Gedachten. 

Je unsinniger das Gesagte wird, desto absurder die Pointe, hugh! 

Herr Müller sieht die Welt

Seifenblasen 

Als wir auf einem Straßenfest in unserem Kiez an einer Seifenblasen-Maschine vorbeikamen, fragte Ernesto mich, wieviel so eine Seifenblase wohl an Traglast hätte. Hintergrund war seine Vorstellung, mit so einer Seifenblase durch die Lüfte zu fliegen. Als ich ihm dann aber sagen musste, wie gering die Tragfähigkeit von Seifenblasen war, gab er seine Idee auf. Seine Idee, damit durch die Lüfte zu fliegen und zum Spielball des Windes zu werden, war dahin. 

Dennoch beharrte Ernesto auf seiner Idee und wollte stattdessen ausprobieren, wie viele Ballons mit Helium gefüllt werden müssten, um ihn tragen zu können. Es waren erstaunlich wenige, nur 10 oder so. Jedenfalls ermöglichten sie so Ernesto das Schweben durch die Lüfte. Wenn er abrupt aufstieg, platzten einige Ballons und seine Höhe wurde so kontinuierlich beibehalten. 

Meine zunächst geäußerten Befürchtungen lösten sich doch recht schnell in Luft auf. Ernesto erkannte meine Motivation und beruhigte mich dahingehend, dass ihm schon nichts passieren würde und dass er selber ja auch nicht möchte, dass ihm etwas passiere. Also stieg ich in einem Fesselballon mit nach oben und sicherte so Ernesto. Ernestos Vorstellungen von dem Rundflug mithilfe der Seifenblasen musste dahingehend korrigiert werden, dass es jetzt eben Luftballons waren, mit deren Hilfe er einen Rundflug unternahm. 

An einer Leine gesichert flog ich so mit Ernesto Gassi und wir wurden wieder einmal zu einer Attraktion unseres Kiezes. So langsam hätten wir einen eigenen Stadtführer herausbringen können. Angekommen vor unserem Stammimbiss wurde jetzt Ernesto auch das von ihm Verlangte an Ballonen zu ihm hinauf gelassen. Unbewusst sorgte Ernesto so dafür, dass er weniger aß, weil schwere Nahrung ja nicht mit dem Ballon transportiert werden konnte. So trug Ernestos Vorliebe für Ballonfahrten auch zu einer schlanken Linie bei. Er überlegte schon, ob er gemeinsam mit dem Kiez-Imbiss eine eigene Speisenserie für Ballonfahrer herausgeben sollte. Da die Zielgruppe aber zu klein war, nahm der Wirt des Imbisses aber wieder davon Abstand. 

Ernestos anfängliche Idee, mit Hilfe der Seifenblasen durch die Lüfte zu fliegen, wurde so – durch Ballone ersetzt – dennoch zum Erfolg. Erstaunlich war die geringe Anzahl der benötigten Ballone. Der Rundblick – laut Ernestos Bekundungen – war einmalig! 

Herr Müller sieht die Welt

Küchenradio 

Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um ein Radio, das von uns in der Küche gehört wurde. 

Ernesto hörte meistens seine Wunschmusik auf seiner Stereoanlage in seinem Zimmer. Dabei übertrieb er gelegentlich die Lautstärke und musste von mir dann darauf hingewiesen werden, bzw. gebeten werden, sie leiser zu drehen. 

Trotz der eigenen Stereoanlage von Ernesto saßen wir oft gemeinsam in der Küche und lauschten dem Empfänger. Nicht ganz einig waren wir bei der Auswahl des von uns gehörten Radiosenders. Ich war da mehr für NDR 2, Ernesto wollte stets und immer Radio Bob hören. Das war mir eine Spur zu gitarrenlastig. Wir mussten uns also über den Sender einig werden. 

Wir waren auf der Suche nach einem Sender, der die Küche in den Mittelpunkt der Betrachtung der Welt stellte, fanden aber keinen. Die Küche als Ort der Begegnung war ja nicht nur in unserem Fall von tragender Bedeutung. Dem musste doch irgendwie Rechnung getragen werden… Aber es fand sich einfach kein entsprechender Sender, der dies gebührend berücksichtigte. Andererseits war mir auch kein Sender bekannt namens Küche FM oder so. Dabei hätte gerade die Küche als Ort der Begegnung einen passenden Sender verdient. Meist lief also mal der eine und mal der andere Sender. 

Nachdem die Auswahl des passenden Senders für uns beide befriedigend geklärt war, stand jetzt unsere Kommentierung des jeweiligen Radiosenders an. Wir einigten uns jedoch darauf, vom permanenten Kommentieren des Gehörten zur individuellen situativen Eignung des jeweiligen Senders überzugehen. Was das im Detail bedeutete, war uns beiden nicht klar. Aber zumindest konnte unser Radiohören auf diese Weise wieder mit einem Sinn versehen werden. Worin dieser Sinn bestand, hing dann vom jeweiligen Programm des Senders und unserer Stimmung ab. War diese eher ruhig und getragen, also in den dunklen Monaten des Jahres, konnte es durchaus passieren, dass wir unsere Radiositzungen von gelegentlichen Hörspielen unterbrechen ließen. In den Sommermonaten hingegen, wenn unsere Laune besser wurde und unser Gemüt sonniger war, saßen wir oft in der Küche – Ernesto manchmal auf unserem Balkon – und lauschten den Klängen der Musik. 

Unser Küchenradio machte seinem Namen also alle Ehre und war von zentraler Bedeutung für unser Miteinander.