Kowalski lebt

Mettwurst 

Mettwurst, insbesondere luftgetrocknete, war von Waltraut bevorzugt. Wobei auf den Härtegrad der Mettwurst zu achten war: je härter desto besser und geschmacklich ausgereifter. Mir wurde klar, dass die genaue Definition des Härtegrades der Mettwurst durch Waltraut durchaus Sinn machte. Mettwurst wurde immer schmackhafter, je höher der Härtegrad war. 

So abgeschmackte Massenware wie Bifi oder so kam da dann gar nicht mehr in Frage. Individuelle Produkte von unserem Kiez-Schlachter fanden da eher Beachtung. Überhaupt sei hier mal wieder eine Lanze oder Mettwurst (aber nur die harte) gebrochen für örtlich produzierte Lebensmittel. Für besondere Feinschmecker sei hier nur mal die Salami aus Pferdefleisch erwähnt, gewöhnungsbedürftig, aber laut Waltraut gut. Natürlich sollte den Kritikern klar sein, dass für die Pferde-Bratwurst, die es ja schon auf dem Weihnachtsmarkt gibt, Tiere in unseren Breiten nicht extra zum Zwecke der Schlachtung gezüchtet werden – im Gegensatz zu Rindern, Schweinen und Lämmern. Das macht die Pferdewurst für mich nicht unbedingt leckerer, aber doch handhabbarer, weil so das Töten des Tieres nicht im Mittelpunkt seines Lebens stand. Das war für Waltraut ausschlaggebender Punkt für den Verzehr von Pferdewurst. 

Dieser durchaus philosophische Ansatz in Bezug auf Wurstwaren, den Waltraut hervorbrachte und ansprach, ließ mich aufhorchen. Mittelpunkt des Lebens sei bei diesen Tieren also nicht die Schlachtung, sondern das ganz normale Leben der Tiere. Dieses Leben sei demnach nicht vorherbestimmt. Daher lasse es Raum für verschiedene Denkansätze. Die Frage nach der Zweckmäßigkeit dränge sich hier immer mehr auf. Die Schlachtung als Aktes der Beendigung des irdischen Lebens sei also eher zufällig und nicht Mittelpunkt des Lebens. Natürlich stehe auch hier der Akt der Beendigung des Lebens logischer Weise an dessen Ende, aber eben nicht geplant, sondern eher zufällig, so Waltrauts Ausführungen. 

Überwältigt von so viel Kopfarbeit Waltrauts musste ich erstmal ein Stück harte Mettwurst essen, um das von ihr Gesagte verdauen zu können. Wer hätte gedacht, dass so viel Denkarbeit in Mettwurst steckt und auch in Waltraut. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Hundehütte 

Nachdem ich Waltraut erzählt hatte, dass ich einen Bausparvertrag habe, erinnerte sie mich daran, dass sie ebenfalls über eine eigene Hundehütte verfügte, die nach wie vor ein trostloses Dasein in unserem Keller fristete. Dieses jahrelange zur Miete wohnen war ihr dann doch irgendwann zuwider und sie hatte beschlossen, wieder ihr Eigentum zu bewohnen. Sie war sich jetzt nur unsicher, in welchem Stadtteil sie dieses aufstellen sollte. 

Die Auswahl wohnlicher Stadtteile war ja relativ überschaubar. Von daher besorgten wir uns Wohnungsanzeigen, die ausdrücklich für Hundebesitzer und deren Anhang ausgeschrieben waren. Als wir dann aber bemerkten, dass das ein Auszug aus der gewohnten Umgebung bedeutet hätte, fragten wir nochmal bei unseren Vermietern nach, ob wir im Hof ein kleines Stück für Waltrauts Hundehütte haben könnten. Nachdem das positiv beschieden wurde, gingen wir daran, Waltrauts Hundehütte in unserem Hof aufzubauen. 

Neugierige Fragen der Mitbewohner des Hauses nach unserem Tun wurden mit ausschweifenden Erklärungen unsererseits zufrieden gestellt. Nachdem unser Tagwerk vollbracht war und die Hundehütte aufgestellt war, feierten wir dieses mit einer zünftigen Grillplatte im ortsansässigen Imbiss. 

Nach einigen Tagen fragte Waltraut sich und mich, was man denn so als zünftiger Hundehütten-Inhaber den ganzen Tag tun sollte. Die Idee eines Carports verwarf Waltraut, da sie ja kein Auto besaß. Also lud sie alle Tiere des Hauses herzlichst zu ihrer Hundehütten-Eröffnung ein. Für Ernesto, Ernie und Bert hatte sie nämlich extra eine Veranda gebaut, damit diese einen schönen Blick über den Hof hatten. 

Schnell waren die Bierbänke zur Einweihung auf der Veranda platziert. Die Schüsseln mit Salat, Würstchen und Grillfleisch warteten auf dankbare Abnehmer. Das Fest war so nett, dass die Hausgemeinschaft beschloss, diesen Termin in den Jahresplan der Hoffeste zu integrieren. Sie überlegten jetzt sogar, ob sie die Hoffeste unter wechselnde Motti stellen sollten. Nach anfänglicher Skepsis waren Waltraut und ich doch schnell davon überzeugt. Waltrauts Hundehütten-Eröffnung sorgte dafür, dass die Hausgemeinschaft noch stärker zusammenrückte. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Flohzirkus 

Beim Besuch des ortsansässigen Flohzirkus in unserem Kiez vertraute mir Waltraut an, dass sie selber einen Flohzirkus ihr Eigen nennt. Auf meine Nachfrage, wie groß dieser sei, antwortete sie: verschieden groß. Mal mit den Neffen von Florian, mal ohne. Florian hatte eine große Familie, das war mir gar nicht so klar. Aber Waltraut war so lange beruhigt, wie sie noch alle Mitglieder der Familie mit Namen kannte. 

Mir war natürlich sofort klar, dass es ihr relativ unangenehm war, darüber zu reden, weil das auch einen gewissen Mangel an Hygiene beinhalten konnte. Als ich dann aber mitbekam, dass Flöhe relativ normal sind bei Hunden und sie kein Zeichen mangelnder Hygiene bedeuten, waren ich und sie schließlich beruhigt. Zwar gab es Flohhalsbänder, aber diese rochen – laut Waltrauts Bekundungen – sehr unangenehm und ersetzten letztlich auch keine Hygiene. 

Neben Florian und seiner Familie gab es da noch die Gräfin Florentine von und zu Schmettin, die höchsten Wert auf ihren Namen und ihre Abstammung legte. Schließlich war ihr Ur-Großvater Floh bei Bismarck, dieser lebte dort unter der Uniformkappe. Aber, laut Florian, war sie mit ihrer überkandidelten Art ohnehin keine angenehme Nachbarin. Die üblichen Nachbarschaftsstreitigkeiten bekamen bei ihr immer gleich staatstragende Bedeutung. 

Waltraut hatte sich, ohne mein Wissen, mit Florian darauf geeinigt, dass er seinen Verwandten Bescheid gab, dass sie sich andere Wohnorte suchten. Florentine von und zu Schmettin tat es sowieso nicht unterhalb einer adligen Abstammung. Man könnte jetzt schnell versucht sein zu denken, Waltraut wäre adliger Abstammung, aber nein, dem war nicht so. Die Gräfin hatte sich schlicht und ergreifend geirrt, als sie Waltraut als Heimstätte aussuchte. Natürlich zog sie daher freiwillig auf einen angemessenen Hausherren um. Der Stammbaum ist also auch für die Bewohner von Hunden wichtig, nicht nur für den Hund selber. 

Waltraut wurde deutlich, dass die Herkunft ihrer Flöhe für das Endergebnis (Jucken) kein Unterschied macht. Wichtig war Waltraut nur, dass ihr als Hausherrin Friede in ihrem Fell herrschte. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Tic Tac 

Auf einem unserer Patrouillen Gänge durch unseren Bezirk stellte ich fest, dass Waltraut immer dann den Kopf wegdrehte, wenn sie mit mir sprach. Von mir darauf angesprochen, zeigte sie sich zunächst peinlich berührt, gab dann aber doch zu, dass sie Angst habe, dass ihr Mundgeruch mich verschrecken könne. Den empfand sie als sehr unangenehm. 

Um Abhilfe bemüht, gab ich ihr den Tipp, einen Tic Tac zu nehmen. Tic Tac sorgte so dafür, dass ihr – so stellten wir später fest – ganzes Verdauungssystem gereinigt wurde und so nicht nur ihr Mundgeruch beseitigt wurde, sondern auch ihre Pupse jetzt nach Minze rochen. Mit so viel gutem Geruch stand uns zukünftig nichts mehr im Weg. So viel gute Rieche aus allen Körperöffnungen gab uns natürlich viel Selbstvertrauen. So gut riechend konnten wir unbekümmert unter Menschen gehen. 

Um gute Rieche bemüht, war Waltraut jetzt jedes Mal im Namen des Duftes unterwegs. Sie überlegte, als Geruchs-Model für Parfümketten wie Douglas zu arbeiten. Zunächst waren vor allem die Mitarbeiter der Parfümketten wenig bereit, einen Hund mit gutem Geruch einzudieseln, merkten dann aber bald, wie anziehend Waltraut auf die Umstehenden mit ihrem Geruch wirkte und die Verkaufszahlen von Eau de Toilettes in die Höhe schnellten. Die ganze Aktion war ihr dann aber dauerhaft doch zu umständlich, weil sie für diesen Job jeden Tag ein Bad hätte nehmen müssen, um glaubhaft vertreten zu können, wofür sie Werbung machte. Der Job als Parfüm-Model war außerdem mit einer ganzen Reihe Unannehmlichkeiten verbunden. So musste sie zum Beispiel auf den regelmäßigen Besuch des Kiez-Imbisses verzichten, weil nach Fritteuse durfte sie um Himmels willen nicht riechen. 

Sie kündigte ihren Job als Parfüm-Model für Menschen und kreierte einen eigenen Hundeduft, dessen Note merklich nach Gyros und Tsatsiki roch. Da aber auch hier der Kreis der Kunden zu klein war, stellte sie alsbald die Herstellung ein. 

Man muss auch manchmal begreifen, wo die eigenen Grenzen liegen. Die Einsicht in ihre eigenen Grenzen sorgte dafür, dass sie viel mehr ihre eigene Mitte fand und viel fokussierter war. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Der Hydrant 

Waltraut entdeckte im Laufe der Zeit, dass das Rückstoßverhalten von Hydranten doch geringer war als das der Laternenmasten. Diese waren daraufhin die von ihr bevorzugten Orte, sich zu erleichtern. Die Problematik, dass Weibchen nach wie vor ihr Bein nicht hoben, um sich zu erleichtern, führte sie schnell zu der Erkenntnis, dass wohl die massive Bauweise der Hydranten dafür verantwortlich war. Aber da sie sich als Weibchen maximal davor setzen konnte, war das eh unerheblich. Meine Versuche, ihr das passende Pinkelverhalten beizubringen, trugen langsam Früchte. Hydranten waren aber auch einfach schöner anzusehen als schnöde Laternenmasten. Außerdem fand sie die Tatsache, dass Wasser aus den Hydranten zu jeder Zeit von der Feuerwehr benutzt werden konnte, spannend. 

So erlebten wir einmal, dass es einen Feuerwehreinsatz gab, in dessen Mittelpunkt ein Hydrant stand, an den Schläuche angeschlossen wurden, um einen in Brand geratenen E-Roller zu löschen. Die ganzen Bewohner der Straße standen natürlich um diesen spektakulären Einsatz herum und guckten interessiert zu. Waltraut und mein Job bestand darin, die Schaulustigen vom Brandherd zu vertreiben, damit die Feuerwehr ungestört ihre Arbeit verrichten konnte. 

Waltraut überlegte kurz, ob sie jetzt auch zur Freiwilligen Feuerwehr gehen sollte, verwarf ihren Gedanken aber schnell wieder, als ich ihr sagte, dass wir hier nur eine Berufsfeuerwehr hatten und diese keine Hunde nehmen würde. Die Möglichkeit der Freiwilligen Feuerwehr bestand für Hunde gar nicht. Außerdem hätte es wohl lustig ausgesehen, wenn Hunde jetzt Feuerwehrhelme und -jacken trügen. Das Problem war, dass die Helme ihnen in den Nacken rutschten und so ein sicherer Halt kaum gewährleistet werden konnte. Auch der umzuschnallende Gürtel war bei Hunden schwer anzubringen. Dennoch wurde sie als Maskottchen der Berufsfeuerwehr aufgenommen und Helm und Jacke wurden dafür passend geschneidert. 

Waltraut sicherte sich aber nicht nur den Job als Maskottchen, sondern war schließlich auch offiziell dafür zuständig, Schaulustige und Gaffer vom Brandort zu vertreiben. Gezogene Handys wurden von ihr unter lautem Gebell einkassiert. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Klosteine 

Nachdem ich mitbekam, dass Waltraut immer das Wasser aus dem Klo trank, forderte ich sie zum Innehalten auf und wies sie darauf hin, dass unser Klowasser von einem Spülstein im Spülkasten gefärbt wurde. Von daher war es für Lebewesen bestimmt nicht so gesund, das zu trinken. Dankbar für diesen Hinweis trank Waltraut jetzt immer nur das Wasser aus dem Wasserhahn. 

Auch wenn das bunte Wasser aus dem Klo natürlich verlockend war, so sah sie doch den Einwand ein. Bunt hieß ja nicht automatisch gesund! So buntes Wasser ist ja vor allem an Karneval gefragt. Da aber nicht immer Karneval war, konnten wir gut auf das Wasser aus dem Hahn zugreifen. Gelegentlich schmiss ich, damit das Wassertrinken für Waltraut bunter wurde, Konfetti und rief laut Helau oder je nach Zuhörer Alaaf! Dabei mussten wir aber darauf achten, dass sie das Konfetti nicht mittrank. 

Außerdem musste ja farblos nicht langweilig heißen. Eher im Gegenteil, Waltraut hatte großen Spaß daran, die Tropfen aus dem Wasserhahn mit der Zunge aufzufangen, sodass das Trinken aus dem Wasserhahn stets einer Prüfung gleichkam. Es war nicht einfach, daraus ein Trinkerlebnis der besonderen Art für sie zu gestalten. Sie musste zwar zur Erreichung des Wasserhahns von mir ins Waschbecken gehoben werden, aber das war immer noch angenehmer und weniger entwürdigend als sie ins Klo zu setzen. 

Im Laufe der Zeit hatte ich die Idee, mit Hilfe der von mir zur damaligen Zeit angeschafften Darda-Bahn das Wasser umzuleiten, um es für Waltraut erreichbarer zu machen. Das Wasser kam dann für sie gut erreichbar und klar und frisch aus der Leitung. Dankbar für meinen Einfall führte die Umleitung des Wassers aber schnell zur Bequemlichkeit von Waltraut, sodass wir zur altbewährten Methode zurückkehrten. Wasser schmeckte auch am besten, so Waltraut, wenn es doch mit ein wenig Aufwand erarbeitet werden musste. 

Buntes Wasser war auf jeden Fall fortan uninteressant für Waltraut. Weder Konfetti noch Klosteine sorgten dafür, das Trinkvolumen von Waltraut zu erhöhen. Sie gab sich mit der herkömmlichen Variante des Wassers aus der Leitung zufrieden. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Kowalski lebt

Seilbahn 

Waltraut fand Seilbahnen super spannend. Herr Müller hatte mich schon vorgewarnt, dass ältere Herren auf Kinderspielplätzen komisch wirken könnten. Da meine Gedanken rein waren, machte ich mir keinerlei Sorgen. Nicht bedacht hatte ich jedoch, in welcher Geschwindigkeit Waltraut durch die Seilbahn beschleunigt wurde, wie wichtig eine Sicherung für sie war. 

Einer Abrissbirne gleich glitt Waltraut durch den Sonnenuntergang. Die „Ahs“ und „Ohs“ der Umstehenden waren der besonderen Sicherung, die Waltraut auf der Seilbahn erfuhr, geschuldet. Waltraut einfach so auf die Seilbahn zu setzen ging ja nicht, weil nämlich da hätte sie sich mit Händen und Füßen festhalten können müssen. Da sie aber über beides nicht verfügte, mussten Alternativen gefunden werden. Wir banden also einen Fahrradkorb an der Seilbahn fest und ich setzte Waltraut in den Korb. Der Moment des Ein- und Ausstiegs war geprägt von Abhängigkeit und geringem Scham. Es sah relativ unbequem aus, wie Waltraut mit meiner Hilfe den Korb bestieg bzw. aus ihm gehoben wurde. War die Abhängigkeit erstmal überwunden, konnte dem ungetrübten Fahrspaß nichts mehr im Wege stehen. 

Wie ein geölter Blitz preschte Waltraut an der Seilbahn hängend durch den dunkler werdenden Tag. 

Wir überlegten, ob wir mit Hilfe von LED-Lampen Waltraut in der Seilbahn illuminieren sollten. Die übrigen Spielplatz-Besucher gaben uns nach wenigen Tagen recht, weil die schiere Masse der Besucher des Spielplatzes jetzt so groß war, dass wir schon Eintrittskarten hätten verkaufen können. Waltraut glitt von nun an also als illuminierter Hund durch die Nacht und war damit eine Attraktion des Kiezes, sogar im Stadtführer fand sie Erwähnung. Zusammen mit Ernesto, der ebenfalls illuminiert auf der Schaukel saß, war die Zahl der Fans riesig. So viel Menschenmasse war ja Herr Müllers und mein Ding eigentlich nicht. Wir zogen uns also bald in unseren Stammimbiss zurück, während Ernesto und Waltraut ihren Ruhm als Mr. and Mrs Spielplatz gebührend feierten. Trotz des plötzlichen Ruhms blieben beide bodenständig, was auch ihrer Größe geschuldet war. Hunde und Schildkröten sind doch die besten Freunde des Menschen. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

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Nassfutter versus Trockenfutter 

Der Vorteil von Nassfutter liegt auf der Hand, sein größter Nachteil in der Nase – es stinkt ohne Ende. Und was da wirklich alles drin ist, weiß auch keiner so genau. Aber das gilt wohl auch bei Trockenfutter. Das schönste an Trockenfutter ist seine gute Dosierbarkeit, außerdem stinkt es nicht annähernd so wie Nassfutter. 

Waltraut liebte ihr Trockenfutter und konnte damit auch lange über den Tag kommen, sofern sie genug trank. Den Fans des Nassfutters sei hier versichert, auch Trockenfutter enthält nicht so leckere Teile von Tieren. An einer passablen Veganvariante von Trockenfutter wird nach wie vor angestrengt gearbeitet. Trockenfutter in Dosen macht ja auch wenig Sinn, zumal die Portionsgröße dann viel zu klein wäre. Außerdem würde es so laut klingeln in den Dosen, wenn man sie schüttelt. Die vegane oder vegetarische Variante des Futters kommt aber in ihrer geschmacklichen Verwirklichung noch nicht ganz an das herkömmliche Dosenfutter heran. Wie gesagt, wir arbeiten daran. 

Das Rascheln der Trockenfutter-Packung als akustisches Signal für den Hund, fällt bei Nassfutter komplett weg. So kam es, dass Waltraut tagelang nicht bemerkte, dass Nassfutter in ihrem Napf lag. Mit den natürlichen Folgen: Es stank erst recht zum Himmel und trocknete ein, war jedenfalls ungenießbar. So ging ich dazu über, Waltraut zu Hause nur noch mit Trockenfutter zu versorgen. Natürlich bekam sie weiterhin im Imbiss ihre Bratwurst (An dieser Stelle sei auf den Text „Wadenbeißer“ hingewiesen. Die Varianten der Bratwurst sind dort genauer benannt.). 

Trockenfutter und Bratwurst in allen Varianten schien mir als Auswahl zwar sehr überschaubar, aber besser als nichts. Der Gyrosteller als Alternative zur Bratwurst war von ihr nicht ganz so geschätzt. Abgehobeltes Fleisch war nicht ganz ihr Fall, zumal es ihr zu brachial erschien. Sie wollte nicht sehen, wie Fleisch mit Messern bearbeitet wurde. Die Füllung mit Wurstmasse in der Bratwurst war ja als Fleisch nicht mehr wirklich erkennbar. Der Fleischwolf hatte seine Arbeit schon erledigt. Die Arbeit der Messer blieb für das Auge verborgen. Somit war die Wurstmasse für Waltraut eher abstrakt und daher nicht mehr als Fleisch von einem Tier zu erkennen. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

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Wadenbeißer 

Durch die beschränkte Bauhöhe von Waltraut war sie dazu verdammt, den Leuten maximal in die Waden beißen zu können, denn höher kann sie ja gar nicht. Wie gerne hätte sie mal einen Po oder Oberschenkel gezwickt, aber ging ja nicht. 

So als gezwungene Wadenbeißerin sorgte sie oft dafür, dass die Leute sich nach ihr umdrehen mussten und laut fluchten. Erst als sie das „arme, kleine Hündchen“ sahen, hatten sie Mitleid. Waltraut neigte dazu, immer dann um sich zu schnappen, wenn sie sich von den Umstehenden bedrängt fühlte. Da dies häufiger der Fall war, musste ich des Öfteren vermittelnd eingreifen. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass sie natürlich nicht richtig zubiss, sondern eher zwickte. Die erwünschte Wirkung war erstmal da. Mit großen Augen guckten die betroffenen Menschen Waltraut an und sprangen dann schnell zur Seite. Die Schmackhaftigkeit von Waden war auch eher begrenzt. So ähnlich wie auch Käsefüße hatten Waden ihren eigenen Geschmack und den musste man mögen. 

Die letzte Begegnung von Waltraut mit den Waden eines vor ihr Laufenden war jedoch von bleibender Nachhaltigkeit geprägt. Es handelte sich nämlich um die Waden des ortsansässigen Imbissbesitzers, sodass nach der anschließenden umfangreichen Erklärung meinerseits für sie immer eine frische Bratwurst und je nach Tageszeit auch mal ein Gyrosteller zur Wahl standen. Der Imbissbesitzer hatte Mitleid mit der geringen Bauhöhe von Waltraut. Die konnte er zwar nicht ändern, aber er konnte dafür sorgen, dass Waltraut sich besser fühlte. 

Waltrauts Vorschlag, doch einen Stammtisch für Hunde einzurichten, sorgte zwar zunächst für Erheiterung des Imbissbesitzers, aber nach gedanklicher Abwägung lehnte er diesen Vorschlag dennoch ab, da ihm die Zielgruppe zu klein schien. So blieb es doch bei der eher zufälligen Vermischung von Hunden und deren Besitzern am Imbissstand. Inspiriert von der Bratwurst überlegte Waltraut, sich eine Vielzahl von Gerichten in deren Mittelpunkt immer die Bratwurst stehen sollte. So gab es alsbald zum Beispiel Bratwurst Hawaii mit Ananassoße, Bratwurst Griechenland mit Tsatsiki, Bratwurst Deutschland mit Sauerkraut und Bratwurst Great Britain mit Fish and Chips. Waltraut testete und der Imbissbesitzer nahm das entsprechende Gericht auf, wenn es für gut befunden wurde. Waltraut entwickelte sich so zur zuverlässigen Beraterin für das Imbissangebot. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut!