Kowalski lebt
Hundehütte
Nachdem ich Waltraut erzählt hatte, dass ich einen Bausparvertrag habe, erinnerte sie mich daran, dass sie ebenfalls über eine eigene Hundehütte verfügte, die nach wie vor ein trostloses Dasein in unserem Keller fristete. Dieses jahrelange zur Miete wohnen war ihr dann doch irgendwann zuwider und sie hatte beschlossen, wieder ihr Eigentum zu bewohnen. Sie war sich jetzt nur unsicher, in welchem Stadtteil sie dieses aufstellen sollte.
Die Auswahl wohnlicher Stadtteile war ja relativ überschaubar. Von daher besorgten wir uns Wohnungsanzeigen, die ausdrücklich für Hundebesitzer und deren Anhang ausgeschrieben waren. Als wir dann aber bemerkten, dass das ein Auszug aus der gewohnten Umgebung bedeutet hätte, fragten wir nochmal bei unseren Vermietern nach, ob wir im Hof ein kleines Stück für Waltrauts Hundehütte haben könnten. Nachdem das positiv beschieden wurde, gingen wir daran, Waltrauts Hundehütte in unserem Hof aufzubauen.
Neugierige Fragen der Mitbewohner des Hauses nach unserem Tun wurden mit ausschweifenden Erklärungen unsererseits zufrieden gestellt. Nachdem unser Tagwerk vollbracht war und die Hundehütte aufgestellt war, feierten wir dieses mit einer zünftigen Grillplatte im ortsansässigen Imbiss.
Nach einigen Tagen fragte Waltraut sich und mich, was man denn so als zünftiger Hundehütten-Inhaber den ganzen Tag tun sollte. Die Idee eines Carports verwarf Waltraut, da sie ja kein Auto besaß. Also lud sie alle Tiere des Hauses herzlichst zu ihrer Hundehütten-Eröffnung ein. Für Ernesto, Ernie und Bert hatte sie nämlich extra eine Veranda gebaut, damit diese einen schönen Blick über den Hof hatten.
Schnell waren die Bierbänke zur Einweihung auf der Veranda platziert. Die Schüsseln mit Salat, Würstchen und Grillfleisch warteten auf dankbare Abnehmer. Das Fest war so nett, dass die Hausgemeinschaft beschloss, diesen Termin in den Jahresplan der Hoffeste zu integrieren. Sie überlegten jetzt sogar, ob sie die Hoffeste unter wechselnde Motti stellen sollten. Nach anfänglicher Skepsis waren Waltraut und ich doch schnell davon überzeugt. Waltrauts Hundehütten-Eröffnung sorgte dafür, dass die Hausgemeinschaft noch stärker zusammenrückte.
Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut!