Herr Müller sieht die Welt
Wasabi
Im Zuge des in Mode gekommenen Sushis versuchten wir jetzt auch einmal diese japanische Köstlichkeit. Allerdings nur in Einzelteilen, im Ganzen bekam Ernesto Sushiröllchen gar nicht in den Mund. Dabei versuchten wir auch, diese Leckereien noch mehr zu verfeinern, indem wir das Sushi in Wasabi eindippten. Nun ja, der Erfolg war überschaubar. Ernesto konnte drei Tage lang nichts mehr schmecken und mir war es schlicht zu scharf.
An dieser Stelle sei mal auf einen Film mit selbigem Titel (Wasabi) hingewiesen mit Jean Reno (auch bekannt aus den Filmen „Leon der Profi“ und „Die purpurnen Flüsse“), nur so ganz nebenbei. Sehr zu empfehlen.
Aber zurück zum Thema: Wasabi muss man mögen, gerade im Zusammenhang mit Sushi. So scharf ist nicht Jedermanns Sache, auch wenn es wohl zum Sushi dazugehört. Gutes Wasabi ist irrsinnig teuer, das bei Sushi häufig hier zu erhaltene Wasabi ist leider nur ein Abklatsch des Originals. Trotz dem wir es nicht mögen, so trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen.
Wasabi als Krönung einer ohnehin deliziösen Mahlzeit muss dem Konsumenten hierzulande erst näher gebracht werden. Der hiesige Gaumen in seiner ganzen Breite muss sich erst an die neue Schärfe gewöhnen bzw. die Breite des Gaumens noch erweitert werden. In diesem Zusammenhang macht es dann auch keinen Sinn, von abgerundetem Geschmack zu sprechen, weil das ja auch gar nicht das Ziel sein kann. So etwas Scharfes, ja Eckiges, wie Wasabi kann halt nicht abgerundet werden. Das käme der Quadratur des Kreises gleich. Geschmäcker sind jedoch, so verschieden sie sind, niemals sperrig. Sushi als Ausdruck neuartiger Texturen und Geschmacksverbindungen hat in unserer Küche Eingang gefunden. Das dazugehörige Wasabi noch nicht und das hat seine Gründe. Diese Gründe will ich hier gar nicht beurteilen, könnten jedoch in der extremen Schärfe begründet liegen.
Für Ernesto spielte es ohnehin eine untergeordnete Rolle, da er sowieso genug von extravaganten Spezialitäten hatte. Eine Currywurst mit Pommes von unserem Kiezimbiss war für ihn das höchste der Gefühle. Unser Kiezimbiss verfügte eh nicht über ein passendes Sushi-Angebot.
Manchmal lohnt der Blick über den Tellerrand, manchmal aber auch der Blick auf den Teller.

