Herr Müller sieht die Welt
Bauernhof
Nach unseren Ausflügen in die größeren Städte Deutschlands hatte Ernesto jetzt mal die Idee, an einer ruhigen Örtlichkeit in unserer näheren Umgebung zu verweilen , weil ihm der Besuch der Städte doch zu anstrengend war. Also beschlossen wir, unseren nächsten Urlaub auf dem Bauernhof zu verbringen.
Nach anfänglichen Berührungsängsten mit den Tieren des Hofes hatte es Ernesto vor allem der Kuhstall angetan, weil die Kühe vor sich hin wiederkäuten und auf Ernesto eine große Ruhe ausstrahlten. Erst nach einiger Zeit merkte er, dass die Kühe in ihren Boxen angekettet waren und wohl deswegen so ruhig dastanden. Außerdem wurde er leider von einem Kuhfladen getroffen, was ihn bis ins Mark erschüttern ließ. Er war so sehr von den Socken, dass es einige Tage brauchte, um mit mir darüber reden zu können.
Nachdem er sich von dem Schreck des Kuhfladens erholt hatte, ließ sich Ernesto von mir durch den Kuhstall fahren mit dem einrädrig angetriebenen Fütterungstransporter. Nach der Attacke der Kühe war Ernesto ansonsten relativ gesättigt, was den Besuch des Kuhstalls anbetraf.
Er fand die jungen Katzen, die gerade auf dem Hof die Welt neu entdeckten jetzt spannender. Die Katzen zeigten sich zunächst irritiert ob der Langsamkeit Ernestos, gewöhnten sich aber schnell daran. Seine Anstrengungen mithilfe der Katzen den Hofhund zu ärgern, wurden alsbald von Erfolg gekrönt. Der Hofhund hatte eine Hütte, in der er seinen Mittagschlaf zu tätigen pflegte. Die Katzen hatten die Schüssel mit Wasser genau vor den Hund platziert, sodass er bei jeder Bewegung hineintapsen müsste. Als plötzlich ein Postauto auf den Hof gefahren kam (Ernesto hatte ein Paket bestellt), sprang der Hund auf, tapste voll in die Wasserschale und war klatschnass. Für Ernesto ergab sich so die Möglichkeit, den Katzen zu zeigen, dass gute Ideen und Witzigkeit nicht unbedingt etwas mit Schnelligkeit zu tun haben muss. Auch hier galt: In der Ruhe liegt die Kraft!
Das Erlebnis mit dem Kuhfladen war offensichtlich von prägender Wirkung, weil Ernesto zurück zu Hause noch Tage davon erzählte und nicht von dem Hofhund und den jungen Katzen. Ernesto wollte zukünftig nicht mehr auf den Bauernhof, sondern hatte die Idee, seinen nächsten Urlaub im Tierheim zu verbringen, weil – so seine Logik – dort gab es Hunde und Katzen im Überfluss, mit denen er neue Streiche aushecken konnte.