Blog

Herr Müller sieht die Welt

Brücken 

Wenn man sich nicht gerade im Mund befindet, dienen Brücken vor allem dazu, Menschen miteinander zu verbinden. Sie überwinden Flüsse, Straßen oder Schluchten. 

Der Anlass, der jetzt gerade Brücken zum Thema macht, war, dass Ernesto und ich über eine selbige fuhren, die laut Ernestos Bekundungen ganz schön hoch war. Dabei stellten wir fest, dass wir oft über Brücken fuhren. Das verbindende Moment von Brücken wurde uns bewusst, als wir mitbekamen, dass zum Beispiel Städte wie Hamburg über mehr Brücken verfügen als Venedig. Aber trotzdem gab es so etwas Bekanntes wie die Rialtobrücke in Hamburg nicht, es sei denn, man nimmt die Köhlbrandbrücke als ähnlich bekanntes Bauwerk hinzu. Dann wäre also die Köhlbrandbrücke die Rialtobrücke Hamburgs. 

Gerade in Städten wie Hamburg fällt auf, dass es dort relativ wenige soziale Brücken gibt. Jeder wurschtelt in seinem sozialen Umfeld. Schade eigentlich. Der Blick über den eigenen sozialen Horizont lohnt. Der soziale Brückenbau sollte hier mal mehr ausgebaut werden. Das Kennenlernen anderer Lebensweisen ist doch elementar zum Begreifen des Lebens, oder nicht? Das Verlassen ausgetretener Pfade führt eben nicht nur zu schmutzigen Schuhen, sondern auch zu mannigfaltigen, neuen Erkenntnissen. Deren Sinn und Zweck ist eben genau die Erweiterung des eigenen Horizonts. Dessen helle Strahlen sollte das eigene Handeln mit einem Ziel versehen. Gott sei Dank leben wir nicht mehr im Mittelalter, wo man Angst haben musste über die Kante der Welt zu fallen. Der soziale Sturz sollte also nicht mehr Teil des gegenwärtigen Handelns sein, vielmehr das gegenseitige Miteinander, weil es sehr viel erfolgversprechender als der Alleingang ist. Leider stehen uns oft Neid und Missgunst im Weg. Die Höhe der sozialen Brücken kann deswegen trotz meiner Höhenangst unendlich sein. Ernesto riss durch die Auswahl seiner Kumpels vom Kiosk sämtliche sozialen Brücken ein. Meine Angst vor hohen Brücken oder Höhe allgemein musste dann halt mal hinten an stehen. 

Der Sinn und Zweck von Brücken, Dinge zu überwinden, macht gerade im sozialen Kontext Sinn. Mauern gibt es ja leider ohnehin genug. Wie diese überwunden werden können, ist und bleibt ein Geheimnis, wohl deswegen, weil es kein allgemeingültiges Rezept gibt. 

Kowalski lebt

Flohzirkus 

Beim Besuch des ortsansässigen Flohzirkus in unserem Kiez vertraute mir Waltraut an, dass sie selber einen Flohzirkus ihr Eigen nennt. Auf meine Nachfrage, wie groß dieser sei, antwortete sie: verschieden groß. Mal mit den Neffen von Florian, mal ohne. Florian hatte eine große Familie, das war mir gar nicht so klar. Aber Waltraut war so lange beruhigt, wie sie noch alle Mitglieder der Familie mit Namen kannte. 

Mir war natürlich sofort klar, dass es ihr relativ unangenehm war, darüber zu reden, weil das auch einen gewissen Mangel an Hygiene beinhalten konnte. Als ich dann aber mitbekam, dass Flöhe relativ normal sind bei Hunden und sie kein Zeichen mangelnder Hygiene bedeuten, waren ich und sie schließlich beruhigt. Zwar gab es Flohhalsbänder, aber diese rochen – laut Waltrauts Bekundungen – sehr unangenehm und ersetzten letztlich auch keine Hygiene. 

Neben Florian und seiner Familie gab es da noch die Gräfin Florentine von und zu Schmettin, die höchsten Wert auf ihren Namen und ihre Abstammung legte. Schließlich war ihr Ur-Großvater Floh bei Bismarck, dieser lebte dort unter der Uniformkappe. Aber, laut Florian, war sie mit ihrer überkandidelten Art ohnehin keine angenehme Nachbarin. Die üblichen Nachbarschaftsstreitigkeiten bekamen bei ihr immer gleich staatstragende Bedeutung. 

Waltraut hatte sich, ohne mein Wissen, mit Florian darauf geeinigt, dass er seinen Verwandten Bescheid gab, dass sie sich andere Wohnorte suchten. Florentine von und zu Schmettin tat es sowieso nicht unterhalb einer adligen Abstammung. Man könnte jetzt schnell versucht sein zu denken, Waltraut wäre adliger Abstammung, aber nein, dem war nicht so. Die Gräfin hatte sich schlicht und ergreifend geirrt, als sie Waltraut als Heimstätte aussuchte. Natürlich zog sie daher freiwillig auf einen angemessenen Hausherren um. Der Stammbaum ist also auch für die Bewohner von Hunden wichtig, nicht nur für den Hund selber. 

Waltraut wurde deutlich, dass die Herkunft ihrer Flöhe für das Endergebnis (Jucken) kein Unterschied macht. Wichtig war Waltraut nur, dass ihr als Hausherrin Friede in ihrem Fell herrschte. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Herr Müller sieht die Welt

Bauernhof 

Nach unseren Ausflügen in die größeren Städte Deutschlands hatte Ernesto jetzt mal die Idee, an einer ruhigen Örtlichkeit in unserer näheren Umgebung zu verweilen , weil ihm der Besuch der Städte doch zu anstrengend war. Also beschlossen wir, unseren nächsten Urlaub auf dem Bauernhof zu verbringen. 

Nach anfänglichen Berührungsängsten mit den Tieren des Hofes hatte es Ernesto vor allem der Kuhstall angetan, weil die Kühe vor sich hin wiederkäuten und auf Ernesto eine große Ruhe ausstrahlten. Erst nach einiger Zeit merkte er, dass die Kühe in ihren Boxen angekettet waren und wohl deswegen so ruhig dastanden. Außerdem wurde er leider von einem Kuhfladen getroffen, was ihn bis ins Mark erschüttern ließ. Er war so sehr von den Socken, dass es einige Tage brauchte, um mit mir darüber reden zu können. 

Nachdem er sich von dem Schreck des Kuhfladens erholt hatte, ließ sich Ernesto von mir durch den Kuhstall fahren mit dem einrädrig angetriebenen Fütterungstransporter. Nach der Attacke der Kühe war Ernesto ansonsten relativ gesättigt, was den Besuch des Kuhstalls anbetraf. 

Er fand die jungen Katzen, die gerade auf dem Hof die Welt neu entdeckten jetzt spannender. Die Katzen zeigten sich zunächst irritiert ob der Langsamkeit Ernestos, gewöhnten sich aber schnell daran. Seine Anstrengungen mithilfe der Katzen den Hofhund zu ärgern, wurden alsbald von Erfolg gekrönt. Der Hofhund hatte eine Hütte, in der er seinen Mittagschlaf zu tätigen pflegte. Die Katzen hatten die Schüssel mit Wasser genau vor den Hund platziert, sodass er bei jeder Bewegung hineintapsen müsste. Als plötzlich ein Postauto auf den Hof gefahren kam (Ernesto hatte ein Paket bestellt), sprang der Hund auf, tapste voll in die Wasserschale und war klatschnass. Für Ernesto ergab sich so die Möglichkeit, den Katzen zu zeigen, dass gute Ideen und Witzigkeit nicht unbedingt etwas mit Schnelligkeit zu tun haben muss. Auch hier galt: In der Ruhe liegt die Kraft! 

Das Erlebnis mit dem Kuhfladen war offensichtlich von prägender Wirkung, weil Ernesto zurück zu Hause noch Tage davon erzählte und nicht von dem Hofhund und den jungen Katzen. Ernesto wollte zukünftig nicht mehr auf den Bauernhof, sondern hatte die Idee, seinen nächsten Urlaub im Tierheim zu verbringen, weil – so seine Logik – dort gab es Hunde und Katzen im Überfluss, mit denen er neue Streiche aushecken konnte. 

Kopfwürmer

Bla bla Teil 2 

Der Einbau eines Fahrstuhls (siehe Bla bla Teil 1) für die Bewältigung der Stockwerke war von den Bewohnern mit Beifall begrüßt worden. Das Fahren in selbigem musste aber zunächst erst einmal geübt werden. Nicht jeder war mit der Arbeitsweise eines Fahrstuhls vertraut. Weder durfte man die Zahlen addieren noch subtrahieren, sie gaben schlicht und ergreifend das Stockwerk wieder, in dem die Türen geöffnet und geschlossen wurden. 

Nachdem mathematische Probleme geklärt waren, konnte der Fahrstuhl völlig unbefangen benutzt werden. Seine Gefahren waren übersichtlich und beschränkt. Nur selten fuhr er in die Randbezirke des Treppenhauses, sprich Keller und Dachgeschoss. Die Tatsache, dass Ernesto und Herr Müller im Dach wohnten, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass insbesondere die mittleren Stockwerke stärker frequentiert waren und Fahrten des Fahrstuhls in den 4. Stock eher die Ausnahme denn die Regel waren. 

Die Idee des Fahrstuhleinbaus der 4 (Ernie, Bert, Waltraut und Ernesto) traf so nach anfänglicher Verunsicherung voll die Zufriedenheit der Bewohner des Hauses. Die anfängliche Verunsicherung wich einer allumfassenden Zufriedenheit mit dem neuen Fortbewegungsmittel zur Bewältigung der Stockwerke. 

Die 4 überlegten sich, ob sie sich in dem Fahrstuhl eine Art Loge oder Balkon einbauen sollten, damit sie das im Treppenhaus Geschehene weiterhin munter kommentieren konnten. Wie gedacht, so getan. Die 4 verfügten jetzt über eine Fahrstuhl-Loge, wie sie so wohl einzigartig in ihrer Machart war. Waldorf und Stetner wären wohl neidisch gewesen (Muppet Show Seher wissen, wer gemeint ist). Dass die Fahrstuhl-Loge schnell zur Attraktion des Kiezes wurde, muss hier wohl nicht gesagt werden. 

Liebe Leser, das vermeintliche Bla bla konkretisiert sich hier in der Präzision der Situation. Die Situation wird offensichtlich im Aufzug zwischen den Stockwerken. Erst wer hochfährt, kann tief fallen. Im Erdgeschoss geht das weniger und im Keller gar nicht. 

In diesem Sinne: Gut „geblat“ ist halb gewonnen, hugh! 

Kopfwürmer

Bla bla 

Liebe Leser, 

dieser Text steht in der Rubrik Kopfwürmer, obwohl die Charaktere Ernesto (Herr Müller) und Waltraut (Kowalski) darin vorkommen. Lassen Sie sich davon nicht verwirren. Die Rubrik Kopfwürmer fasst aber alles am besten zusammen. Viel Spaß beim Lesen! 

Neben der Wohnungstür stand seit Jahren eine Blumenvase samt Blume, seit Jahren wurde vergessen, sie zu gießen. Da es eine Kunststoff-Blume war, waren die Folgen für die Pflanze nicht so dramatisch. Aber wäre sie echt gewesen, hätte es für sie fatale Konsequenzen gehabt. So aber ging nur der Staub des Treppenhauses seit Jahr und Tag auf sie nieder. Schön war ihr Anblick schon lange nicht mehr. Da sich aber selten jemand in den 4. Stock verirrte, war die Anzahl derer, die es hätten bemerken können, eher gering. Das Leben als Kunstblume war ja auch eher monoton. Dennoch passierte ständig was im Treppenhaus, mal vom Staub abgesehen, der unablässig auf die Blume niederging. 

Ernesto, Ernie und Bert (aufmerksame Leser werden sich an sie erinnern) hatten um der Monotonie mal etwas Unterhaltung entgegen zu setzen, beschlossen, sich im Treppenhaus bzw. auf dem Fenstersims des 1. Stocks niederzulassen. Ernestos Betrachten der Raufasertapete aus Langerweile hatte dafür gesorgt, dass er dadurch eine Bindehautentzündung bekam und so also um Alternativen bemüht war. Waltraut setzte sich auf den Fußboden zu den Füßen der Schildkröten. Im Laufe der Zeit sorgte sie noch dafür, dass an dieser Stelle eine Decke lag, auf die sie sich legen konnte. Mit Wonne beobachteten die vier das illustre Treiben im Treppenhaus. Die Bewohner des Hauses taten sich insbesondere durch eine sehr gründliche Auslegung der Treppenhaus-reinigungs-Woche hervor. Der Fußboden war so sauber, dass man davon hätte essen können, so fiel es den vier Beobachtern auf. Aber nur die wenigsten Hausbewohner verlegten ihr Picknick ins Treppenhaus. Hauptbeschäftigung der Bewohner im Treppenhaus war nach wie vor das Treppensteigen. Dass das Treppensteigen für die meisten Bewohner des Hauses im Laufe der Jahre beschwerlicher wurde, ließ sie darüber nachdenken, bei der Hausverwaltung einen Treppenlift für jedes Stockwerk zu beantragen oder alternativ einen Fahrstuhl einbauen zu lassen. Platz dafür wäre da gewesen…(to be continued). 

Herr Müller sieht die Welt

Milky Way 

Es gab mal früher vor Jahren eine Reklame von Milky Way: Es sei so leicht, es schwimme sogar in Milch. Angespornt von dieser Werbung wollte Ernesto ein Bad in der Milch nehmen. Außerdem habe er gehört, dass Cleopatra ja auch immer in Eselsmilch gebadet hätte. Sie könne also nur gut sein für den Teint, so war Ernestos Überzeugung. Nach einigen Schwimmbewegungen ging Ernesto aber unter wie ein Stein – so viel zum Thema Realität und Werbung. Völlig frustriert oblag es dann mir, ihn wieder aufzubauen. Außerdem war der Teint bei gepanzerten Wesen relativ unerheblich, so stellte er fest. 

Seine Bemühungen um einen zarteren Teint waren aber dahingehend erfolgreich, dass jetzt immer alle Welt Ernesto streicheln wollte. Alle Welt fand Ernesto jetzt soooo süß und zart, egal wo wir waren, auch mitten auf der Straße, vor Einkaufsläden und natürlich auf dem Spielplatz wollten alle ihn streicheln. Das jedoch missfiel ihm so sehr, dass er alsbald wieder in Wasser sein Bad nahm. 

Die gewohnte Umgebung im Wasser sorgte auch dafür, dass Ernesto in alte Verhaltensmuster zurückfiel: Er begann infantile Spielchen zu spielen. Er konnte sich stundenlang mit ihnen beschäftigen und sich über sie totlachen. Dass sie bei mir bestenfalls ein Schmunzeln hervorriefen, interessierte dabei wenig. Infantile Spielchen konnten sein, sich zum Beispiel die Pfoten vor die Augen zu halten und zu sagen „Such mich!“ oder sich hinter einer Wohnungsecke zu verstecken und dabei gar nicht zu bemerken, dass man die ganze Zeit aus dem Nachbarzimmer voll zu sehen ist. 

Eines dieser Versteckspiele sorgte dafür, dass Ernesto hinter einer Tür stand und glaubte mal wieder nicht gesehen zu werden. Erst als es laut krachte und er durch die Wohnung purzelte, bemerkte er seinen Denkfehler. Mit der Beweglichkeit der Tür hatte er nicht gerechnet. Natürlich war Ernesto jetzt daran gelegen, möglichst leichtfüßig durch die Welt zu stapfen. Dies klappte mal mehr, mal weniger erfolgreich. Zumeist waren seine Erfolge, so leicht wie Milky Way zu wirken, von geringem Erfolg gekennzeichnet. Ernesto beschränkte sich jetzt darauf, Milky Way zu essen, in der Hoffnung vielleicht bald für Milky Way zu werben. Er stellte aber schnell fest, dass es eher zu einer Zunahme des Gewichts führte. 

Fazit: Um in Milch zu schwimmen, braucht man nicht nur einen Freischwimmer, sondern auch den nötigen Auftrieb. 

Kowalski lebt

Tic Tac 

Auf einem unserer Patrouillen Gänge durch unseren Bezirk stellte ich fest, dass Waltraut immer dann den Kopf wegdrehte, wenn sie mit mir sprach. Von mir darauf angesprochen, zeigte sie sich zunächst peinlich berührt, gab dann aber doch zu, dass sie Angst habe, dass ihr Mundgeruch mich verschrecken könne. Den empfand sie als sehr unangenehm. 

Um Abhilfe bemüht, gab ich ihr den Tipp, einen Tic Tac zu nehmen. Tic Tac sorgte so dafür, dass ihr – so stellten wir später fest – ganzes Verdauungssystem gereinigt wurde und so nicht nur ihr Mundgeruch beseitigt wurde, sondern auch ihre Pupse jetzt nach Minze rochen. Mit so viel gutem Geruch stand uns zukünftig nichts mehr im Weg. So viel gute Rieche aus allen Körperöffnungen gab uns natürlich viel Selbstvertrauen. So gut riechend konnten wir unbekümmert unter Menschen gehen. 

Um gute Rieche bemüht, war Waltraut jetzt jedes Mal im Namen des Duftes unterwegs. Sie überlegte, als Geruchs-Model für Parfümketten wie Douglas zu arbeiten. Zunächst waren vor allem die Mitarbeiter der Parfümketten wenig bereit, einen Hund mit gutem Geruch einzudieseln, merkten dann aber bald, wie anziehend Waltraut auf die Umstehenden mit ihrem Geruch wirkte und die Verkaufszahlen von Eau de Toilettes in die Höhe schnellten. Die ganze Aktion war ihr dann aber dauerhaft doch zu umständlich, weil sie für diesen Job jeden Tag ein Bad hätte nehmen müssen, um glaubhaft vertreten zu können, wofür sie Werbung machte. Der Job als Parfüm-Model war außerdem mit einer ganzen Reihe Unannehmlichkeiten verbunden. So musste sie zum Beispiel auf den regelmäßigen Besuch des Kiez-Imbisses verzichten, weil nach Fritteuse durfte sie um Himmels willen nicht riechen. 

Sie kündigte ihren Job als Parfüm-Model für Menschen und kreierte einen eigenen Hundeduft, dessen Note merklich nach Gyros und Tsatsiki roch. Da aber auch hier der Kreis der Kunden zu klein war, stellte sie alsbald die Herstellung ein. 

Man muss auch manchmal begreifen, wo die eigenen Grenzen liegen. Die Einsicht in ihre eigenen Grenzen sorgte dafür, dass sie viel mehr ihre eigene Mitte fand und viel fokussierter war. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

Herr Müller sieht die Welt

Parkett 

Nachdem Ernesto sämtliche Fußbodenbeläge geprüft und bewertet hatte, kam für ihn nur noch Parkett in Frage. Teppichboden konnte er im Wohnzimmer ausprobieren, Linoleum in der Küche und Riffelblech auf unserem Balkon. Unser Flur mit Parkett erwies sich als am spielfreundlichsten. Da rollten auch die Fingerboards am besten, mit denen Ernesto derzeit seine Freizeit verbrachte. Das Riffelblech des Balkons erwies sich als sehr unpraktisch für solche Art der Fortbewegung. Außerdem war die schiere Länge unseres Flures für ihn viel interessanter für seine Spielversuche als die Enge von Küche, Bad oder Balkon. 

Die scheinbare Unendlichkeit des Flurs wurde offensichtlich, wenn er mal durch diesen mit dem Rollbrett glitt. Er überlegte ernsthaft, ob er sich das nächste Mal für die Durchquerung ein Kehrpaket einpacken sollte. 

Jetzt lud er Ernie und Bert zum Spielen ein und machte Wettbewerbe, wer am weitesten mit dem Rollbrett im Flur rollen konnte. 

Nachdem ein Sieger gekürt war, wollten Ernesto und Kumpels aber was anderes spielen. Es ging jetzt nicht mehr um die längste Strecke, die man zurücklegte, sondern um den coolsten Stunt, den man mit dem Rollbrett machen konnte. Die erste Idee, mit dem Rollbrett möglichst hoch zu springen, musste schnell verworfen werden, als bemerkt wurde, dass sie eben nur mit dem Panzer auf dem Rollbrett auflagen und sie so das Rollbrett nicht aktiv beeinflussen konnten. Die Stunts waren vor allem Überschläge, indem sie sich vom Rollbrett fallen ließen und sich dann mehrfach überschlugen. Dabei waren sämtliche Extremitäten eingefahren, um die Überschläge nicht schlagartig stoppen zu lassen. 

Nach mehreren Stunden wollten die Drei jetzt Milky Way und Milch von mir zur Belohnung haben. Meine Frage, wer denn nun Sieger sei, beantwortete Ernesto salomonisch: Es ginge nicht darum, einen Sieger zu küren, sondern alle Drei trügen zur Überbrückung der Langeweile bei. Damit wären alle Drei Sieger. Von so viel Weisheit überwältigt, gab ich mich denn geschlagen und lud die Drei zum Abendessen in unseren Stammimbiss ein. 

Das Parkett als Grundlage des Spiels der Schildkröten wurde oftmals von uns mit Füßen getreten oder eben von Rollbrettern befahren und hatte sich seine Erholungspause redlich verdient. 

Kowalski lebt

Der Hydrant 

Waltraut entdeckte im Laufe der Zeit, dass das Rückstoßverhalten von Hydranten doch geringer war als das der Laternenmasten. Diese waren daraufhin die von ihr bevorzugten Orte, sich zu erleichtern. Die Problematik, dass Weibchen nach wie vor ihr Bein nicht hoben, um sich zu erleichtern, führte sie schnell zu der Erkenntnis, dass wohl die massive Bauweise der Hydranten dafür verantwortlich war. Aber da sie sich als Weibchen maximal davor setzen konnte, war das eh unerheblich. Meine Versuche, ihr das passende Pinkelverhalten beizubringen, trugen langsam Früchte. Hydranten waren aber auch einfach schöner anzusehen als schnöde Laternenmasten. Außerdem fand sie die Tatsache, dass Wasser aus den Hydranten zu jeder Zeit von der Feuerwehr benutzt werden konnte, spannend. 

So erlebten wir einmal, dass es einen Feuerwehreinsatz gab, in dessen Mittelpunkt ein Hydrant stand, an den Schläuche angeschlossen wurden, um einen in Brand geratenen E-Roller zu löschen. Die ganzen Bewohner der Straße standen natürlich um diesen spektakulären Einsatz herum und guckten interessiert zu. Waltraut und mein Job bestand darin, die Schaulustigen vom Brandherd zu vertreiben, damit die Feuerwehr ungestört ihre Arbeit verrichten konnte. 

Waltraut überlegte kurz, ob sie jetzt auch zur Freiwilligen Feuerwehr gehen sollte, verwarf ihren Gedanken aber schnell wieder, als ich ihr sagte, dass wir hier nur eine Berufsfeuerwehr hatten und diese keine Hunde nehmen würde. Die Möglichkeit der Freiwilligen Feuerwehr bestand für Hunde gar nicht. Außerdem hätte es wohl lustig ausgesehen, wenn Hunde jetzt Feuerwehrhelme und -jacken trügen. Das Problem war, dass die Helme ihnen in den Nacken rutschten und so ein sicherer Halt kaum gewährleistet werden konnte. Auch der umzuschnallende Gürtel war bei Hunden schwer anzubringen. Dennoch wurde sie als Maskottchen der Berufsfeuerwehr aufgenommen und Helm und Jacke wurden dafür passend geschneidert. 

Waltraut sicherte sich aber nicht nur den Job als Maskottchen, sondern war schließlich auch offiziell dafür zuständig, Schaulustige und Gaffer vom Brandort zu vertreiben. Gezogene Handys wurden von ihr unter lautem Gebell einkassiert. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut!