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Kowalski lebt

Kowalski 

Tach! Mein Name ist Kowalski. Ich war jahrelang beim Grünflächenamt der Stadt Mühlheim an der Ruhr beschäftigt. Ich wohne jetzt mit meinem Dackel Waltraut im selben Mietshaus und Kiez wie Herr Müller. Waltraut fällt es inzwischen schwer, Treppen zu laufen, ohne mit ihrem Bauch aufzusetzen. Daher wohne ich nun im 1. Stock. 

Gelegentlich schaue ich mal nach den Mülltonnen und der ordnungsgemäßen Treppenhausreinigung in unserem Haus, denn irgendjemand muss ja darauf achten, dass alles stets seine Ordnung hat. Manchmal könnte man fast den Überblick verlieren angesichts der vielen Menschen und Tiere, die hier leben. Es wohnen nämlich nicht nur Waltraut und Ernesto hier, sondern auch zwei andere Schildkröten namens Ernie und Bert. 

Die Treppenhausreinigung hat meine besondere Aufmerksamkeit, weil die häufig nicht gemacht wird. Gegebenenfalls werden die zuständigen Mieter von mir freundlich darauf hingewiesen. Unterschätzt wird oft auch die adäquate Mülltrennung. Auch dort schaue ich nach dem Rechten und sortiere den Müll notfalls. Die Größe der Mülltonnen habe ich schon mehrfach bei den Stadtwerken angeprangert, aber bisher ist da noch nichts passiert. Diese reicht oft nicht aus, den Müll aufzunehmen, ohne dass sich Müllbeutel davor stauen oder Deckel offen stehen. 

Auch achte ich sehr genau auf die Benutzung des Fußwegs, da dieser gern von Radfahrern benutzt wird. Von mir darauf hingewiesen reagieren sie dann oft unfreundlich und ungehalten. Die Benutzung der Fußwege durch Radfahrer kann gar nicht frühzeitig genug unterbunden werden. Zwar dürfen Kleinkinder das, aber dann ab 12 eben nicht mehr und darauf achte ich penibelst. Beinahe hat mich nämlich ein Fahrradfahrer mal umgefahren, der mit hoher Geschwindigkeit auf dem Fußweg fuhr, auf dem ich ging und mich in Sicherheit wähnte. So eine Frechheit! Gerade unser Hausausgang zum Fußweg hin ist aufgrund seiner Unübersichtlichkeit ein Hotspot für Unfälle. Ein von mir vorgeschlagener Spiegel zur besseren Einsicht wurde vom Stadtbauamt leider nicht genehmigt. Unser Hauseingang sei nicht entscheidend genug als Verkehrs-Hotspot, hieß es zur Begründung der Ablehnung. Ich habe Einspruch eingelegt. Bisher ist das Verfahren noch in der Schwebe. 

Nun ja, was man nicht alles unternimmt für eine funktionierende Hausgemeinschaft. 

Herr Müller sieht die Welt

Der Zoobesuch 

Es war mal wieder Sonntag und Ernesto und ich überlegten, was wir mal anstellen konnten. Ernesto schlug vor, seine Verwandten im Zoo zu besuchen. 

Gesagt, getan. Wir fuhren mit der Straßenbahn zum Zoo. Ernesto fuhr wie immer in der Brusttasche meines Hemdes mit. Im Zoo angekommen, gingen wir gleich zum Reptilienhaus, um den Verwandtschaftsbesuch zu starten. Ernesto fand allerdings das bloße Anschauen der Verwandtschaft im Zoo langweilig. Er attestierte, dass diese wohl durch das Leben im Zoo hinter Glas relativ degeneriert waren. Daraufhin gingen wir weiter zum Raubtiergehege, das Ernesto schon spannender fand, auch wenn ihm auch hier die Authentizität fehlte. Die Raubtiere reagierten überhaupt nicht auf Ernesto, seine Existenz wurde von ihnen überhaupt nicht wahrgenommen. Das frustrierte ihn sehr. 

Auch der anschließende Besuch im Zoorestaurant war dann kaum noch ein Stimmungsaufheller für Ernesto. Nur die dort gekauften Gummibärchen erhellten seine Laune. Seine Überlegung, ein eigenes Gehege mit Gummibärchen zu gestalten, wurde von ihm selbst schnell wieder verworfen, weil er zu großen Schwund befürchtete, da diese zu schnell von Mitarbeitern und Besuchern aufgegessen werden würden. Dennoch war seine Idee, Gummibärchen in verschiedenen Lebenssituationen zu zeigen, doch sehr interessant. Das Problem, dass Gummibärchen bei Wind ständig umfielen, musste von ihm allerdings noch gelöst werden, bevor sein Projekt in die Realität umgesetzt werden konnte. 

Die Tatsache, dass lebendige Tiere im Zoo gehalten wurden, fand er relativ doof. Er überlegte spontan, eine Demo zu organisieren, die dies anprangerte. Wir fuhren zunächst nach Hause, um Plakate für die Demo zu malen. Mit Plakaten und Trillerpfeife wollte er auf sich aufmerksam machen. Das Mietshaus inklusive Ernie und Bert waren schnell als Mitdemonstranten aktiviert. Die Polizei guckte relativ belustigt, als sie hörte, dass ein kleiner Demonstrationszug vor dem Zoo aufmarschieren wollte. Dennoch wurde auch diese Demo von einigen Beamten abgesichert. Sie hätten in der Zeit auch Kaffee trinken gehen können, da es keinerlei Unruhen gab und auch nicht zu erwarten waren. Die Idee von Ernesto, sich zu vermummen, wurde ihm dann von mir ausgeredet, da im Zusammenhang mit seiner Bepanzerung sein Outfit dann doch zu martialisch war. 

Beseelt von der Zusage des Fotografen, das Foto in der Zeitung abzudrucken, gingen wir dann nach Hause. Die Reaktionen auf den Zeitungsartikel ließ Ernesto mit seinem Kampf fortfahren für größere Freiräume der Tiere. 

Herr Müller sieht die Welt

Sitzheizung 

Unser neues Auto verfügte jetzt über eine Sitzheizung. Mein zu anfangs bestehendes Problem mit dem Gefühl der permanenten Inkontinenz hatte sich schnell wieder gelegt, aber ungewohnt war es schon. So ein vorgewärmter Sitz ist für den Popo schon was Feines. Auch Ernesto gefiel es gut, auf dem vorgewärmten Sitz Platz zu nehmen. Nur zu große Hitze brauchte er nicht, aber das ließ sich ja Gott sei Dank durch Herunterregeln der Sitzheizung verhindern. Gerade bei Minustemperaturen wurde sie von uns hochgeschätzt. Aus der Eiseskälte sich in einen warmen Sitz fallen zu lassen, war für uns beide sehr angenehm. 

Ernesto war es ja gewohnt, weil er oft in meiner Brusttasche umhergetragen wurde, dass seine Umwelt angenehm warm war. Aber genau deswegen war eine zu große Hitze auch für ihn unangenehm. 

Das Leben so in Körpernähe brachte aber auch den Nachteil, dass kühle Winde ihn selten erreichten und anpusten meinerseits half teilweise, aber angesichts meines manchmal vorhandenen Mundgeruchs nur unter größtem Protest von Ernesto. Am wohlsten fühlte sich Ernesto im kühlenden Wind am besten eines Meeres, ob Nord- oder Ostsee war ihm egal, da war er nicht so wählerisch. 

Da ein kühler Wind nicht so schnell von mir herbeigezaubert werden konnte, musste sich Ernesto durch Herunterlassen der Scheiben vom Fahrtwind abkühlen lassen. Doch bei Regenwetter weigerte ich mich, die Fenster zu öffnen. Da unsere Polster nicht wasserabweisend waren, mussten wir schnell eine Lösung für Ernesto finden. Diese wurde von mir gefunden, indem Ernesto auf dem von mir installierten Dachgepäckträger platznahm. Da konnte er auch seine Sturmhaube aus dem 1. Weltkrieg und seine Taucherbrille aufsetzen, um gegen entgegenkommende Insekten geschützt zu sein. Um gegen die Gefahr des Wegfliegens gesichert zu sein, wurde er von mir festgebunden. Er genoss die Möglichkeit, von der frischen Luft umweht zu werden. 

So eine Schildkröte auf dem Dach war schon ein ganz besonderes Extra. Viele Leute grüßten freundlich, wenn sie Ernesto kommen sahen. Die Ausflüge mit dem Auto waren im Sommer eine hochgeschätzte Möglichkeit, mal wieder rauszukommen und die Sommerluft zu genießen. Wir besuchten viele Freunde und Bekannte und gelegentlich auch mal unseren Lieblings-Badesee, damit Ernestos Gefühl von Freiheit größtmöglich wurde, schwammen wir dann ein, zwei Runden durch den See und kehrten dann nach Hause zurück. 

Die Sitzheizung war dennoch in den Wintermonaten ein gerne benutztes Extra von uns beiden. 

Herr Müller sieht die Welt

Innenausbau 

Nach Jahren in der 2-Zimmer Dachgeschosswohnung beschloss unser Vermieter, das Dachgeschoss weiter auszubauen und so wurde unsere 2-Zimmer Wohnung zur 5-Zimmer Wohnung. Die neue Wohnung hatte vor allem den Vorteil, dass jeder von uns 2 Zimmer für sich zur Verfügung hatte und wir dennoch eine Vielzahl von Räumen gemeinsam nutzen konnten. Was erstmal wie ein riesen Vorteil erschien, war bei genauerer Betrachtung schwer umzusetzen. Ernesto und meine Vorstellung von der Einrichtung von Wohnungen waren doch sehr verschieden, wie bereits im Text „Wärme und Kälte“ erwähnt. 

Ein viel größeres Problem war aber die Arbeit der Handwerker. Diese musste von uns koordiniert werden und mit meiner Arbeit auf dem Amt zeitlich in Einklang gebracht werden. Ernesto bot sich daher als Bauleiter an, weil ja sonst keiner rund um die Uhr zu Hause war. Die Handwerker guckten zwar zunächst verwirrt, dass ihnen eine Schildkröte Anweisungen geben sollte, waren dann aber schnell überzeugt von Ernestos Fähigkeiten. Die Handwerker wähnten sich in der glücklichen Position, ihre Arbeit von einer Schildkröte abnehmen zu lassen. Sie vergaßen aber dabei, dass Ernesto ein sehr genaues Auge auf ihre Arbeit hatte. 

Teilweise waren wir einfach nur schockiert über die abgelieferte Arbeit. Teilweise hatte man das Gefühl, man beaufsichtigte eine Kindergartengruppe, so unzuverlässig war die Arbeit der Handwerker. Ein Beispiel gefällig? Dämmmaterial über die Fußbodenheizung, sodass die abgestrahlte Wärme nicht mehr oben angekommen wäre… Oder: Der von uns anvisierte Fensterausbau konnte noch in letzter Sekunde zum Positiven verändert werden, da die geplanten Fenster gar nicht gepasst hätten zu den vorhandenen Ausschnitten. Noch ein Beispiel? Aber gerne! Ein Handwerker wurde in Ernestos Beisein vom Architekten angesprochen und gefragt, was er denn da für einen Quatsch täte und dieser antwortete: „Keine Ahnung, wurde mir so gesagt.“ 

Nun könnte man mal das Bildungssystem danach beurteilen, was hinten herauskommt, um weitere Unfälle zu vermeiden, aber das lassen wir an dieser Stelle. 

Zurück zu unseren neuen Räumlichkeiten: Da wir im Dachgeschoss wohnten, mussten die armen Möbeltransporteure die neuen Möbel bis unter`s Dach schleppen. Das tat uns sehr leid, aber auf diese Weise konnte man schnell feststellen, wer fit war und wer gutes Deo benutzte. 

Abschließend bleibt uns, wenn Sie einen Innenausbau planen, nur der Tipp: Viel Zeit und viel Geduld zu haben, denn diese werden Sie brauchen! 

Herr Müller sieht die Welt

Wärme und Kälte 

Wärme und Kälte werden von mir oftmals auch als Yin und Yang der Zentralheizung bezeichnet, wobei ich nicht genau weiß, was was ist, aber das soll vom eigentlichen Problem nicht ablenken. Das eigentliche Problem wäre in diesem Fall die undurchsichtige Funktionsweise von Zentralheizungen. Alles über ein Thermostat zu regeln, wäre auch dem Problem nicht angemessen, da es doch um das ausgewogene Verhältnis von Wärme und Kälte geht. Wärme und Kälte nur auf ihre Temperatur in Wohnungen zu reduzieren, wäre allerdings ein bisschen wenig. Ausdruck von Wohnlichkeit und Behaglichkeit ist die Wohnung in ihrer Gesamtkomposition mit ihrer Wärme. 

Ernestos Wohnstil war eher durch Schlichtheit geprägt, weil Stehrumchen und Teppiche dafür sorgten, dass sie ihn an der Bewegung hinderten. Auch zu glatte Böden waren Ernestos Sache nicht. Ein gewisser Vortrieb musste schon geboten werden. Dennoch mangelte es in Ernestos Einrichtungsstil nicht an Wärme, weil er des Öfteren anstelle von Lampen Heizsonden von der Decke baumeln ließ. Das machte zwar einen sehr kärglichen Eindruck, aber zum einen waren die Höhensonnen für die herumstehenden Pflanzen sehr gut und sorgten außerdem für eine angenehme, behagliche Wärme in Ernestos Räumen. 

Ja, in Ernestos Räumen, weil einige Räume unserer Wohnung von ihm eingerichtet und bewohnt wurden. Andere wiederum waren von mir eingerichtet und bewohnt, einige eben von uns beiden. Manchmal war es daher schwierig, mich auf die Temperatur von Ernesto einzustellen. Besonders schwierig war aber die Einrichtung der gemeinsamen Räume, da erstmal ein gemeinsamer Nenner gefunden werden musste. Es war damals gar nicht so einfach, Schlichtheit und Gelsenkirchener Spätbarock unter einen Hut zu bringen. Als wir es dann dennoch geschafft hatten, atmeten wir erleichtert auf und beschlossen, erstmal einen Kaffee zu trinken. Die von Ernesto geforderte Schrankwand konnte ich ihm Gott sei Dank ausreden. Einfache Regale taten es dann auch, diese gab es schon in günstigen Preislagen in unserem SB-Möbelhaus. Dennoch zeichnen sich alle Räume, sowohl die von Ernesto, die von mir und unsere gemeinsamen Räume, durch Behaglichkeit aus. 

Die eingangs erwähnte Wärme umschloss den Besucher oder die Besucherin und er oder sie konnte sich von Beginn an zu Hause fühlen. Die gesuchte Wärme vermittelte sich dem Besucher oder der Besucherin in jedem unserer Räume, sodass es eher schwer war, Besucher wieder loszuwerden. Ernesto war schon ganz genervt von den vielen Besuchern. Oftmals war er froh, wenn der Besuch gegangen war und die Tür wieder ins Schloss fiel. 

Yin und Yang kamen uns übrigens sehr selten besuchen. 

Herr Müller sieht die Welt

Sandstrand 

Den Sandstrand in unserem Urlaubsort betrachteten Ernesto und ich aufgrund der großen Hitze in unseren Adiletten, die uns schon so manches Mal aus der Patsche geholfen haben. Die Spuren, die wir dabei im Sand hinterließen, waren denen von Huftieren im Waldboden nicht unähnlich. Sandstrände faszinierten mich immer, weil ich von der Vorstellung fasziniert war, dass jedes Sandkorn nur ein kleiner Teil jedes Sandstrandes ist, die Sandkörner erst in ihrer Vielzahl zu einem Strand wurden. Ein einzelnes Sandkorn macht noch keinen Sandstrand und auch bei Glätte hilft es wenig. Erst die Vielzahl von Sandkörnern werden zum Sandstrand oder zum Streugut. 

Die Spuren im Sand, die Ernesto und ich hinterließen, waren zumindest in ihrer Richtung gut zu lesen. Sie liefen von einem Palmenschatten zum nächsten, stets in Vermeidung der größten Hitzestrahlung. Im Schatten angekommen, machten wir uns dann daran, dort kühle Getränke zu uns zu nehmen. So eine Schildkröte mit Cocktail-Strohhalm im Maul ist bestimmt ein lustiges Bild, aber es hatte einen ernsten Hintergrund, da unser Flüssigkeitspegel bei dieser Hitze immer auf Vordermann gebracht werden musste. Manchmal blieben wir auch länger an einer Strandbar hängen und bewegten uns nicht mehr durch die glühende Hitze des Sandstrandes. 

Ernesto konnte nicht verstehen, wie seine Verwandten die Eier der neuen Brut im glühend heißen Sand verbuddeln konnten – so eine Hitze hielt doch keine Sau aus, meinte Ernesto. 

Erst gegen Abend wurde der Sand wieder halbwegs betretbar, ohne sich auch barfuß Verbrennungen zuzuziehen. Nachdem wir unsere Deckung dann also gegen Abend verlassen hatten, widmeten wir uns den leiblichen Genüssen und verzehrten, was das reichhaltige Speiseangebot hergab. 

Unsere Eskapaden schwimmen zu gehen gestalteten sich mit Ernestos 4 Schwimmflügeln als teilweise sehr schwierig, zumal er trotz der Schwimmflügel zu einer Kopflastigkeit neigte. Er drohte zu ersaufen, sodass wir von da an eher an Land anzutreffen waren und uns anderweitige Abkühlung verschafften. 

Besonders gern aßen wir immer gegen 3 Uhr nachmittags eine Kugel Eis, stets Vanille, weil da ließ sich die Qualität der Strandbars im Vergleich gut beurteilen. Nur gute Bars verwendeten auch gutes Eis! Erst gegen Ende unseres Urlaubs bemerkten wir, dass die Auswahl der Strandbars am Steinhuder Meer recht übersichtlich war. Ich glaube, nächstes Jahr wird`s doch die Ostsee… 

Herr Müller sieht die Welt

Frühstück 

Als wichtigste Mahlzeit des Tages darf man das Frühstück nicht unterschätzen. Das Frühstück ist sozusagen die Mutter aller Mahlzeiten. 

Unser Frühstück bestand aus Müsli und Obst, um den Magen möglichst lange beschäftigt zu halten. Insbesondere einheimische Früchte, die es derzeit zu Hauf gab, bereicherten unser Frühstück. Ernestos Vorliebe für Erdbeeren konnte zurzeit aus dem eigenen Anbau aus Deutschland befriedigt werden. 

Die Bedeutung von Mahlzeiten wird einem häufig erst bei genauerem Darüber-Nachdenken klar. Das Frühstück als Start in den Tag ist die, so möchte ich behaupten, wichtigste Mahlzeit des Tages, legt sie doch den Grundstein für einen gut verlaufenen Tag. Morgenstund hat also nicht nur Gold im Mund, sondern sollte auch Frühstück im Mund haben. 

Wo wir gerade bei Redewendungen sind: „Nachts sind alle Katzen grau“ kann insofern verstanden werden, dass alle Farben gedimmt erscheinen, also schwarze Katzen jetzt nur noch grau und weiße Katzen auch grau erscheinen und nicht mehr in strahlendem Weiß. Man kann also feststellen, dass die Dunkelheit dazu beiträgt, dass Katzen in ihrer Fellfarbe und Menschen in ihrer Hautfarbe einander angeglichen werden. Insofern bin ich gerne ein Geschöpf der Dunkelheit, da dadurch Grenzen aufgehoben werden. Grenzen werden ja auch innerhalb der EU aufgehoben, also ist dann auch die EU ein Geschöpf der Nacht, könnte man jetzt mal provokant diagnostizieren. Da dies schnell in die Polemik führt, sei es an dieser Stelle unterlassen. Die unwichtige Bedeutung von Hautfarben wird hier abermals offensichtlich. 

Zurück zum Ausgangspunkt: Das Frühstück hat also eine elementare Bedeutung für den Verlauf des Tages, graue Katzen hin oder her. Eines bleibt gewiss: Katzen – in welcher Couleur auch immer – essen selten Frühstück. Für uns Menschen hat die Abfolge der Mahlzeiten eine elementare Bedeutung. Nicht umsonst wird an dieser Stelle so oft darüber berichtet. 

Die Quintessenz des Gesagten wäre also: Ein Frühstück mit Mutter wäre am Gewinnbringsten. Da nicht mehr alle Menschen über eine Mutter verfügen, bleibt also festzuhalten, auch ein blindes Huhn isst mal Frühstück. Die Sinnhaftigkeit des Gesagten sei an dieser Stelle mal in Frage gestellt, mir fiel nur gerade nichts besseres ein… 

In diesem Sinne: Schönes Frühstück! 

Herr Müller sieht die Welt

Waschmittel – Der alte Mann und das Meer 

Die neue Darreichungsform von Waschmittel war für uns erstmal gewöhnungsbedürftig, da es jetzt nicht mehr im Messbecher oder in der Kappe in das entsprechende Fach der Waschmaschine eingefüllt wurde, sondern in fertigen Tabs direkt in die Waschmaschine geworfen wurde. Der Effekt des Waschmittels war jetzt kolossal! Auch wenn die neuen Tabs vor Kindern und Haustieren sicher zu verstauen waren, boten sie doch ein überzeugendes Waschergebnis auch bei niedrigen Temperaturen. Ernestos Wäscheberg war relativ klein, umso mehr war dagegen die von mir zu waschende Wäsche. Egal ob Koch- oder Buntwäsche, die neuen Tabs boten ein überzeugendes Waschresultat. Ernesto ging wegen der tollen Waschergebnisse jetzt dazu über, nur noch weiße Leinenkleidung zu tragen, da diese jetzt ausgesprochen gut gereinigt werden konnte. Der Nachteil von weißer Kleidung stellte sich relativ schnell heraus, weil sie nämlich binnen kürzester Zeit eingesaut war, was gerade ein Leben in Bodennähe mit sich brachte. 

Auch Ernestos großes Vorbild Ernest Hemingway trug ja oft weiße Kleidung. Insgeheim verriet mir Ernesto bei einer weinseligen Stunde, dass er nur wegen Ernest Hemingway Ernesto hieße. Ernestos

Mutter sprach nur Esperanto, daher das „o“ an Ernest. Ernests größter Erfolg „Der alte Mann und das Meer“ würde ja als „Ernesto und das Meer“ keinen Menschen interessieren. Dennoch fand Ernesto Ernests Lebensstil relativ cool, der ja unter anderem auf Kuba lebte und dem Rum und Whiskey nicht abgeneigt war. Ansonsten verband Ernesto relativ wenig mit seinem großen Idol. Es stand nicht zu vermuten, dass sich Ernest als Gemüselieferant verdingt hätte. Aber die Wahl der Idole ist ja nicht an die eigene Lebensweise gebunden. 

Das Leben in Bodennähe hatte neben der häufig verschmutzten Wäsche auch den Nachteil, dass man direkt Autoabgase einatmen durfte. Die Erkenntnis, ob Autos über Katalysatoren verfügten oder nicht, fand ich wirklich erhellend. Vielmehr wünschte sich Ernesto eine Umwelt, die eben nicht durch Abgase 

verschmutzt war. Da das in näherer Zukunft nicht anzudenken war, musste also Ernestos Fortbewegung auf höheren Niveaus erfolgen. Unser Liegerad bot da die ideale Höhe, um durch die Abgasfluten der Stadt zu gleiten. Doof war nur daran, dass Ernesto damit eben nicht selbstständig fahren konnte, sondern stets auf mich als Fahrer angewiesen war. Abhängigkeiten sind generell doof, aber umso doofer, wenn sie für den Abhängigen Folgen haben, die er nicht beeinflussen kann. 

Wichtig ist also nicht nur, dass die Wäsche weiß wird, sondern dass auch die Lebensverhältnisse von Mitbewohnern nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Herr Müller sieht die Welt

Kniebeugen 

Im Zuge des allgemeinen Jugendwahns haben sich Ernesto und ich entschlossen, uns fit zu halten. Neben den regelmäßigen Laufrunden machten wir jetzt auch regelmäßig Fitnessübungen, um unsere Muskeln und unseren ganzen Apparat in Bewegung zu halten. Dazu gehörten eben auch Situps, Liegestütze und Kniebeugen. Nun fragt sich der ein oder andere wie eine Schildkröte denn bitte Kniebeugen machen sollte. Dabei geht das gut, da Schildkröten ja auch über eine Art Kniegelenk verfügen, die Beine also einklappen können. Man könnte bei Schildkröten eher von einer Art Lift sprechen, da sie ihren ganzen Panzer dann absenken. Liegestütze und Situps sind da schon schwieriger. Situps sind für Schildkröten nahezu unmöglich, weil sie eben aufgrund ihres Panzers ihren Körper nicht krümmen können. Liegestütze kommen den Kniebeugen bei Schildkröten schon sehr nahe, auch wenn sie thematisch einen völlig anderen Bereich streifen. 

Dennoch ließ Ernesto sich nicht davon abhalten, sich körperlich zu ertüchtigen. Da das Laufen relativ behäbig war, wurden Kniebeugen also Ernestos neue Lieblingsbeschäftigung. Für Außenstehende war es sicher lustig, eine Schildkröte bei Kniebeugen zu beobachten. Ernesto stöhnte aber ob der großen Anstrengung. Sein Stirnband, das er eigentlich nur zum Tennisspielen anlegte, verhinderte jetzt, dass ihm der Schweiß in die Augen tropfen konnte. Außerdem sah er mit dem Stirnband noch mehr aus wie ein großer Sportler, was ihm natürlich sehr zu passe kam. 

Die Nachbarskinder mit Ernie und Bert fragten, ob sie sich demnächst mal anschließen könnten, da auch ihren Schildkröten ein bisschen Bewegung durchaus guttun würde, weil sie ein wenig zur Lethargie neigten. Dass weder Ernie noch Bert Lust dazu hatten, war dabei nicht von Interesse. Der Fußboden kam in der Garage dem einer Turnhalle sehr nahe, sodass sie ihrem sportlichen Treiben freien Lauf lassen konnten. Auch das Spiel mit Bällen mannigfaltiger Art war für Schildkröten eine höchst lustige Veranstaltung, sodass wir auch bald in der Garage Basketballkörbe aufhängten. Die Vorstellung von einer Schildkröte bei einem Slam-Dunk ließ mich und meine Vorstellung dann doch zunächst stutzen. Die schiere Höhe eines Basketballkorbs war für Schildkröten natürlich nicht zu erreichen. Aber mit Hilfe eines Trampolins konnte diese überbrückt werden. Der anschließende Sturz konnte mit Hilfe eines Weichbodens, also einer sehr dicken Matte, abgefangen werden. 

Wer hätte gedacht, dass Schildkröten Slam Dunks machen konnten? Wir schon! 

Herr Müller sieht die Welt

Blumenkohl 

Die Redewendung „Blumenkohl-Ohren haben“ bekommt eine ganz neue Dimension, wenn man dazu Möhren und Erbsen kredenzt. Dann erst zeigt sich der wahre Chef de Cuisine. Man muss nämlich nicht nur seine Sinne im Griff haben, sondern auch seine Extremitäten zum Umrühren der Suppe. Diese wird ja auch besonders zum geschmacklichen Erlebnis, wenn sie zusätzlich mit Pilzen verfeinert wird. Bei der Auswahl der Pilze sollte man aber darauf achten, dass diese nicht auf der roten Liste stehen. Sonst wird das Vergnügen für den Esser ein kurzes. 

Apropos kurze Vergnügen: Das Döner von Ernesto und mir sollte eigentlich nur ein kurzes Vergnügen sein, beschäftigte unsere Verdauungsorgane aber länger als gewünscht. Dabei kann so ein schönes Lammdöner zur Aufhellung der Stimmung beitragen. Bei uns jedoch war der Magen länger damit beschäftigt, dieses zu verdauen, als angedacht. So ein Döner kann schon eine abend- und morgenfüllende Veranstaltung werden. Man kann die Verdauung höchstens durch einen Tee oder Kaffee beschleunigen, im besten Falle morgens und abends. Man sollte aber darauf achten, diesen nicht zu spät einzunehmen. Was wir taten, in der Hoffnung, dass das Döner jetzt nicht mehr ganz so schwer in unseren Mägen lag. Wir beschlossen daraufhin, gerade gegen Abend nicht mehr so schwere Mahlzeiten zu essen. Zukünftig wollten wir uns wieder bekömmlicheren Mahlzeiten zuwenden, wie zum Beispiel Blumenkohl. 

Zurück zum Beginn der Geschichte. Leuten, die viel reden, sagt man ja nach, sie würden anderen Menschen „Blumenkohl an die Ohren reden“. Ehrlich gesagt habe ich diese Redewendung nie so ganz verstanden, weil Ohren doch nie aussehen wie Blumenkohl und diesem auch durch viel Gerede nicht ähnlicher werden. Vielleicht darf man Redewendungen nicht wörtlich nehmen, aber auch im übertragenen Sinne verstehe ich sie nicht. Vielleicht sind Blumenkohl-Ohren ja als Codewort für zu viel Gesabbel zu verstehen. Gerade Eltern von kleinen Kindern kennen ja Codewörter, um sich ohne Kenntnis des Kindes verständigen zu können. 

Redewendungen sind ja genau wie Codewörter für kleine Kinder unbekannt und nicht zu verstehen. Erst später reagieren sie meist genervt, wenn Eltern diese benutzen. Auch hier gilt die Devise, Maß zu halten. Ein Beispiel wäre: „Die Badehose ist schuld, dass ich nicht schwimmen kann“. Bezogen auf Ernesto gilt dieser ganz genauso wie für die Kleinkinder, auch hier wird gerne Ursache und Wirkung verwechselt und auch Ernesto reagiert darauf genervt wie ein Kleinkind. Dabei finde ich den Spruch so schlau , Blumenkohl hin oder her.