Herr Müller sieht die Welt
Mentos
Einfache Mentos waren für Ernesto viel zu groß zum Kauen. Also musste ich ihm herkömmliche Mentos in kleinen Portionen zu kauen geben, wollte er diese essen. Die Erfrischung seines Atems als oberstes Ziel war jedenfalls schnell erreicht.
Die weiteren Vorzüge von Mentos stellten sich im Laufe der Zeit durch Ernestos Konsum an Mentos dar. Löcher in der Wand wurden von ihm äußerst schnell gestopft, sodass Moltofill in unserem Haushalt bald ein Fremdwort war. Erst im Laufe der Zeit merkten wir, dass die von Ernesto mit Mentos zugestopften Löcher unangenehm rochen. Als Moltofill Ersatz schied es also bald aus. Löcher mussten jetzt wieder auf herkömmliche Weise gestopft werden. Moltofill war ja auch nicht wirklich schmackhaft, von daher war Ernestos Wahl nachvollziehbar. Mentos war als Mittel gegen Mundgeruch besser geeignet als Moltofill, aber eben nicht für die Löcher in der Wand.
Die Erfrischung des Atems als oberstes Ziel der Mentos-Kauerei wurde besonders deutlich in Ernestos Verhalten als Beifahrer. Das legere Spiel mit den Fensterhebern wurde ergänzt durch die Erfrischung des Atems. Dieser war jetzt gekennzeichnet von einer frischen Brise aus Minze und Kamille. Ein frischer kühler Atemwind umschmeichelte Ernestos Gegenüber jetzt generell bei allen Gesprächen, nicht mehr nur das geöffnete Fenster.
Ernestos Spiel mit den Fensterhebern wurde gekrönt von dem Finale furioso. Da wurden dann alle Klappen von Tank bis Heckklappe per Fernbedienung ausgelöst. Völlig erschöpft sank Ernesto dann in den Beifahrersitz, schien anstrengend zu sein. Untermalt wurde seine Aktivität natürlich von klassischer Musik mit Pauken und Trompeten. Vorbeigehende Fußgänger applaudierten dann zumeist dem Maestro.
Der ursprüngliche Mentos-Konsum zur Erfrischung des Atems wurde so durch das leidenschaftliche Finale furioso geadelt. Einfache Mentos zur Erfrischung des Atems erfüllten jetzt einen höheren Zweck. Worin dieser genau bestand, muss ich noch eruieren, aber es klinkt eben gewaltiger. Die Löcher in der Wand verwaisten zusehends angesichts des geringen Moltofill-Gebrauchs in unserer Wohnung.