Freiheit  Kopfwürmer

Freiheit 

Meine Freiheit ist auch immer die des anders Denkenden. 

Viel zu oft wird dieser Grundsatz vergessen von all denen, die ihre Freiheit eingeschränkt sehen. Der bloße Ruf nach Freiheit sollte immer einhergehen mit dem Gedanken an die Freiheit des anderen. Mit anderen Worten: Die Freiheit der eigenen Person beinhaltet auch immer die Freiheit der anderen Meinung. 

Viel zu oft wird genau das von vielen vergessen. Dabei liegt genau hier das Geheimnis des gesellschaftlichen Miteinanders. Erst wenn ich in der Lage bin, die Meinung des anderen zu akzeptieren und hinzunehmen, wird Meinungsvielfalt obsolet. Die Meinung des anderen einfach hinzunehmen, erfordert zwar viel Langmut, aber ist wohl grundlegend im Miteinander in unserer Gesellschaft, denn darin liegt genau der Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft. Gemeinschaften oder Volksgemeinschaften hatten wir in der Geschichte schon einige, zumeist unrühmliche Beispiele. Der Gemeinschaft jetzt mal ein Gesellschaftmodell der Freiheit gegenüber zu stellen, wäre es doch mal längst an der Zeit. Gesellschaft soll als Angebot an jeden sein, der sich darin sieht, ohne Voraussetzungen zu erfüllen oder über bestimmte Charakteristika zu verfügen. Gesellschaft halt. Jeder, der mitmachen will, kann mitmachen. Nun hört es sich so an, als ob Gesellschaft ein Fitnessclub wäre. Dem ist nicht so. Vielmehr sollte Gesellschaft für alle und jeden offen bleiben. Die Mitgliedschaft darin ist eher unfreiwillig, also muss nicht beantragt werden, sie ist einfach da durch die Teilhabe der Person an der Gesellschaft, nur bei Asylbewerbern und Neubürgern muss sie beantragt werden. 

Freiheit erfährt außerdem ihre Begrenzung maximal in der körperlichen Beschränktheit, so stellt sie sich mir jedenfalls dar. Im Geiste sind meine Möglichkeiten mannigfaltig, in der körperlichen Umsetzung eingeschränkt. Dennoch oder gerade deswegen liegt darin die große Stärke der Freiheit: Im Geiste das zu vollziehen, was mir körperlich nicht mehr oder nur mit Hilfe möglich ist. Der philosophische Denkansatz der größtmöglichen Freiheit, der in der Unfreiheit liegen soll, ist mir noch ein bisschen sehr abstrakt, aber ich arbeite daran, ihn zu verstehen. 

Freiheit ist nichts, was man geschenkt bekommt oder eine Mitgliedschaft hätte. Sie muss – so anstrengend das ist – täglich auf`s Neue bewusst und erkämpft werden. 

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