Herr Müller sieht die Welt
Schaukel
Ältere Herren und Kinderspielplätze waren zwar zugegeben eine komische Kombi, aber da sich nur dort die von Ernesto so heiß und innig geliebten Schaukeln befanden, musste ich wohl gelegentlich mal in den sauren Apfel beißen und mit ihm dort schaukeln gehen.
Es war zunächst gar nicht so einfach, ihn auf dem Schaukelsitz sicher zu befestigen. Aber mit Hilfe eines Spanngurts gelang es dann, ihn dort zu vertauen. Anschwung musste ich geben, aber das war ja bei vielen Kleinkindern auch der Fall. Schwung holen mit den Beinen ging bei Ernesto ja nicht.
Die von mir zunächst probierte Methode des Schwungholens mit Hilfe eines Sandsacks und einer Umlenkrolle führte zu eher unangenehmen Begegnungen mit den Eltern umstehender Kinder. Der mitschwingende Sandsack führte dazu, dass umstehende Kinder wie Kegel umgeschmissen wurden, was dann die Eltern auf den Plan rief. Also musste ich doch ganz konservativ anschieben. Dennoch war Ernesto – trotz der Unwägbarkeiten – nicht davon abzuhalten, die übrigen Kinder, die sich auf den anderen Schaukeln befanden, zu einem Wettbewerb herauszufordern. Erst als Ernesto ankündigte, er wolle einen Salto mortale mit der Schaukel versuchen, schritt ich ein. Das schien mir doch zu sehr „Hollywood“ für den Kinderspielplatz zu sein. Klassisches Schaukeln war zwar eher nicht sooo angesagt bei Ernesto, aber dafür bei den übrigen Kindern.
Das stete Auf und Ab der Schaukel sorgte bei den Kindern für Glücksglucksen. Bei Ernesto sorgte das stete Auf und Ab eher für ein Glücksrülpsen, weil ihm irgendwann schlecht wurde vom Schaukeln. Seine Überlegung, den Rülpser als Antrieb für das Schaukeln zu nutzen, verwarf er dann doch schnell wieder, als er merkte, dass es für andere vielleicht doof wäre, mit einer rülpsenden Schildkröte auf einer Schaukel gesichtet zu werden.
Die anfängliche Kegelei beim Schaukeln brachte Ernesto eines Tages darauf, jetzt mal Kegeln zu gehen. Er stellte dann aber schnell fest, dass die Kegelkugeln für ihn viel zu schwer waren. Dennoch faszinierte ihn die Funktionsweise der Kegelmaschine, die die Kegel immer wieder aufstellte. Aber einer Maschine nur bei der Arbeit zuzugucken, war ihm dann doch zu stupide. Also verließen wir die Kegelbahn wieder. Damit der Tag nicht völlig unbefriedigend war, gingen wir zum Abschluss noch einmal in unseren kiezansässigen Imbiss und gönnten uns zur Feier des Tages eine Bratwurst.