Milky Way  Herr Müller sieht die Welt

Milky Way 

Es gab mal früher vor Jahren eine Reklame von Milky Way: Es sei so leicht, es schwimme sogar in Milch. Angespornt von dieser Werbung wollte Ernesto ein Bad in der Milch nehmen. Außerdem habe er gehört, dass Cleopatra ja auch immer in Eselsmilch gebadet hätte. Sie könne also nur gut sein für den Teint, so war Ernestos Überzeugung. Nach einigen Schwimmbewegungen ging Ernesto aber unter wie ein Stein – so viel zum Thema Realität und Werbung. Völlig frustriert oblag es dann mir, ihn wieder aufzubauen. Außerdem war der Teint bei gepanzerten Wesen relativ unerheblich, so stellte er fest. 

Seine Bemühungen um einen zarteren Teint waren aber dahingehend erfolgreich, dass jetzt immer alle Welt Ernesto streicheln wollte. Alle Welt fand Ernesto jetzt soooo süß und zart, egal wo wir waren, auch mitten auf der Straße, vor Einkaufsläden und natürlich auf dem Spielplatz wollten alle ihn streicheln. Das jedoch missfiel ihm so sehr, dass er alsbald wieder in Wasser sein Bad nahm. 

Die gewohnte Umgebung im Wasser sorgte auch dafür, dass Ernesto in alte Verhaltensmuster zurückfiel: Er begann infantile Spielchen zu spielen. Er konnte sich stundenlang mit ihnen beschäftigen und sich über sie totlachen. Dass sie bei mir bestenfalls ein Schmunzeln hervorriefen, interessierte dabei wenig. Infantile Spielchen konnten sein, sich zum Beispiel die Pfoten vor die Augen zu halten und zu sagen „Such mich!“ oder sich hinter einer Wohnungsecke zu verstecken und dabei gar nicht zu bemerken, dass man die ganze Zeit aus dem Nachbarzimmer voll zu sehen ist. 

Eines dieser Versteckspiele sorgte dafür, dass Ernesto hinter einer Tür stand und glaubte mal wieder nicht gesehen zu werden. Erst als es laut krachte und er durch die Wohnung purzelte, bemerkte er seinen Denkfehler. Mit der Beweglichkeit der Tür hatte er nicht gerechnet. Natürlich war Ernesto jetzt daran gelegen, möglichst leichtfüßig durch die Welt zu stapfen. Dies klappte mal mehr, mal weniger erfolgreich. Zumeist waren seine Erfolge, so leicht wie Milky Way zu wirken, von geringem Erfolg gekennzeichnet. Ernesto beschränkte sich jetzt darauf, Milky Way zu essen, in der Hoffnung vielleicht bald für Milky Way zu werben. Er stellte aber schnell fest, dass es eher zu einer Zunahme des Gewichts führte. 

Fazit: Um in Milch zu schwimmen, braucht man nicht nur einen Freischwimmer, sondern auch den nötigen Auftrieb. 

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