Kopfwürmer

Motti

Um meinem Ruf als Schlaumeier gerecht zu werden, sei hier mal gesagt, dass ein
Motto in der Mehrzahl Motti heißt . Auf jeden Fall hat sich mein Lebensmotto
„Wenn der Wahnsinn dich anlacht, lach zurück“ erweitert um das Motto: „Ich bin
behindert, aber nicht doof!“ (wie ich hoffe). Also behandelt mich bitte auch nicht so.

Das erste Motto ist in meinem Berufsleben begründet. Mein Berufsleben als Lehrer
war oft genug von Chaos und Hektik gekennzeichnet. Vielfach hatte man das Gefühl,
in einem Irrenhaus zu sein. Erst der Rückzug mit einer Tasse Kaffee in den
Klassenraum ließ mich wieder herunterkommen. Das Verrückte waren dann aber
nicht die Schüler, sondern die ganzen anderen Umstände des Berufes. Von Eltern, die
glauben, man hätte ja sonst nix zu tun (ernsthaft) als Kaffeetassen durch die Gegend
zu tragen bis zu Kollegen, die ihren Status wohl etwas überbewerten. Im Laufe der
Jahre habe ich aber gemerkt, dass es gar nichts bringt, sich über diese Widrigkeiten
aufzuregen, sondern dass mit einem Lachen alles besser zu ertragen ist. Auch die
Angriffslust des Gegenübers wird dann geringer. Vielleicht sind aber auch die
Erinnerungen von damals eher im Geiste von mir romantisiert worden, dennoch
kann ich nur sagen, dass meine Erfahrungen mit Schülern jeder Art durchweg positiv
waren. (Hiermit seien meine ehemaligen Schüler gegrüßt).

Das zweite Motto ist meinen Erfahrungen als Rollstuhlfahrer und Gehandicapter
geschuldet. Es wäre ein Traum, wenn das körperliche Unvermögen nicht auf die
geistigen Fähigkeiten übertragen werden würde, was leider allzu oft passiert. Aber
auch geistig Gehandicapte sollten einen nicht dazu veranlassen, das Gegenüber wie
einen Doofen zu behandeln. Also falls ihr unsicher sein solltet, wie ihr euer
Gegenüber behandeln sollt, mein Tipp: Einfach normal!

Zurück zu den Motti: Wie immer ist die Normalität das Maximum in jeglicher
Hinsicht. Alles andere wäre eher Wunschdenken. Wenn man keinen Plan hat, hilft es
manchmal, sich von der Situation tragen zu lassen. Wir wollen natürlich nicht, dass
sich die Situation an uns einen Bruch hebt, deshalb ist es empfehlenswerter gar nicht
erst Pläne zu machen, da diese häufig genug über den Haufen geworfen werden
müssen, gerade in meinem Alltag. Mein Alltag ist oft genug von Gedanken über die
Erkrankung getragen. Das doofe an der Erkrankung ist, dass sie viel Spielraum zur
Interpretation gibt. Beispiel: Wenn man ein Bein ab hat, weiß man, dass es zukünftig
mit Laufen schwer wird. Ich aber weiß nicht, welche Überraschungen die Erkrankung
zukünftig bereit hält.

Deswegen gilt auch hier mein erstes Motto: „Wenn der Wahnsinn dich anlacht, lach zurück“!

Kopfwürmer

Der Finne

Wer einmal in Finnland war, wird meine Begeisterung für Land und Leute teilen.
Aber liebe Finnen, sind diese Fußgänger-Überwege euer ernst? Wie bitte soll
man die bezwingen können, wenn man im Rolli sitzt und noch keine Hornhaut
am Arsch hat? Schnellkurs bei Reinhold Messner, oder was?

Nehmt euch doch bitte mal ein Beispiel an den englischen FußgängerÜberwegen.
Da lernt man, was ein sanfter Übergang von Fußweg auf Straße
heißt. Nur dass hier keine falschen Eindrücke entstehen: Auch deutsche
Überwege und Fußweg-Absenkungen können deutlich optimiert werden. Man
fragt sich als Betroffener, womit die für den behindertengerechten Umbau
angeblich hinzugezogenen Rollstuhlfahrer geschlagen sind, scheinbar mit
Blindheit. Apropos, die Signale für Sehbehinderte an Fußwegen sind –
zumindest in den größeren Städten Finnlands – optimal. Das gleiche würde ich
mir für die Rollifreundlichkeit der Fußgänger-Überwege wünschen.

Der Finne an sich ist aufgeschlossen und freundlich. In der bunten Hauptstadt
wird hauptsächlich Englisch gesprochen, genau wie in Teilen Berlins.
Gelegentlich hat man den Eindruck in einer Freak-Show zu sein. Ich sah zum
Beispiel Barbie und Ken, ein anderes Mal begegneten mir Frauen in Lack und
Leder aus einem quietschgelben Audi TT steigend. Auffällig war die
Hilfsbereitschaft der Menschen, sei es beim Türaufhalten im Café oder im
allgemeinen Miteinander.

Cool und ungewohnt für deutsche Autofahrer sind sicherlich die
Bundesstraßen, die jäh unterbrochen werden und deren Fortführung durch
eine Fähre unternommen wird, wenn man die Schärenlandschaft besucht.
Natürlich ist die Benutzung der Fähren kostenlos. Wenn man in Finnland essen
geht, sei hier empfohlen, Rentier zu probieren. Auch wenn man sich zunächst
scheut, schmeckt es dann doch sehr gut. Nur die Vorstellung an den
Weihnachtsmann und seine Helfer muss man aus dem Kopf kriegen.

Als sehr angenehm fand ich die Zurückhaltung und Rücksichtnahme auf Leute
im Rolli. Das allgemeine Gefühl der Menschen, ständig erster sein zu müssen,
ist in Finnland scheinbar sehr gering, so habe ich es jedenfalls empfunden.

Alles in allem kann ich Finnland nur empfehlen, sowohl Land als auch Leute,
weil die Entspanntheit der Leute sich relativ schnell auf uns als Touristen
überträgt. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Vielen Dank, ich habe mich bei
euch sehr wohlgefühlt, liebe Finnen!

Kopfwürmer

Halbwahrheiten

Im Gegensatz zur völligen Wahrheit zeichnen sich Halbwahrheiten dadurch aus, dass sie hauptsächlich Vermutungen sind, die erst durch die Realität bestätigt werden müssen. 

Da auch dieses nur eine Vermutung von mir ist, bin ich auf der Suche nach der absoluten Wahrheit. Die Suche nach der absoluten Wahrheit ist ein Weg mit unbekannten Größen, da das Ziel noch nicht bekannt ist. Auf dem Weg zur absoluten Wahrheit mache ich daher erstmal Rast. Innehalten soll ja bekanntlich förderlich sein für das Denken. Ob und inwieweit sich das auf die Suche nach der absoluten Wahrheit auswirkt, weiß ich ja noch nicht. Aber es gibt mir zumindest erstmal das Gefühl, was getan zu haben. … 

Mein Versuch, nach der Rast wieder ins Denken zu kommen, war nur teilweise erfolgreich. Jeder kennt ja die Rastplätze an Bundesstraßen oder an Autobahnen. Dass diese eher Toiletten gleichen, liegt an den Benutzern derselben. Den eigentlichen Zweck der Rastplätze möchte ich mal wieder betonen dadurch, dass ich auf ihnen ein Butterbrot esse, auch wenn dies einige Überwindung kostet. Sie sollen den Fahrer dazu anhalten, gelegentlich mal eine Pause im Kilometerfressen zu machen. Ein Butterbrot hilft dabei ungemein, es regt die Denkfähigkeit des Betroffenen immens an. 

Also beschließe ich, jetzt meinen Blutzucker hochzufahren und mit der Pause zu kombinieren. Tatsächlich fällt mir nun das Denken leichter, deshalb zurück zu den Halbwahrheiten: 

Wenn man also mit einem binären Code arbeiten würde, bei dem 1 die absolute Wahrheit wäre und 0 die Unwahrheit, dann wäre – zumindest dem Verständnis nach – die Halbwahrheit darunter anzusiedeln, also bei -1. Denn die Halbwahrheit gilt im allgemeinen Sprachgebrauch noch weniger als die Unwahrheit. 

Die Halbwahrheit wäre also mit dem schlecht gewordenen Rollmops zu vergleichen, da hat man doch lieber keinen als einen schlecht gewordenen. Ein gewisser Trump aus dem fernen Amerika wird dann also schnell überführt, weil Fake News dann zum Himmel stinken. Halbwahrheiten und Unwahrheiten sind die zwei Seiten derselben Medaille, beide verfolgen hier den Zweck, von der Wahrheit abzulenken. Die Medaille der Halb- bzw. Unwahrheiten möchte aber keiner, gerade angesichts der Olympischen Spiele, umgehängt bekommen. 

Also lasst uns doch einfach bei der Wahrheit bleiben, auch wenn sie manchmal weh tut. 

Kopfwürmer

Vollkasko – Teilkasko 

Häufig ist man ja vom Wunsch erfüllt, dass alles im Leben abgesichert sein könnte. Aber relativ schnell muss man leider feststellen, dass dem nicht so ist. Beseelt vom Wunsch nach vollumfänglicher Absicherung ist wohl jeder Mensch. Fraglich ist dann, wie man mit der Enttäuschung umgeht, dass diese eigentlich nicht möglich ist. Permanentes Verdrängen kann wohl helfen, aber nur kurzzeitig. Wie eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dieser Thematik aussehen könnte, weiß ich auch nicht. 

Jedenfalls ist mir klar oder müsste jedem klar sein, dass eine 100%ige Absicherung gegen die Risiken des Lebens eigentlich nicht möglich ist, sondern nur der Umgang damit – also die Auseinandersetzung mit dem Leben als solches – für den Einzelnen von Belang ist. 

Der Spruch „No risk, no fun“ ist leicht gesagt, wenn die Risiken relativ überschaubar sind. Gleichzeitig setzt er aber diejenigen zurück, die Risiken oder Krankheiten haben, sie hätten keinen „fun“, weil die Risikobereitschaft dieser Leute nunmal zwangsläufig geringer ist. Zwangsläufig nimmt meiner einer das Leben bewusster wahr. Das schließt jedoch nicht aus, dass man Spaß am Leben haben kann. 

Für die Wagemutigen unter uns sei die Form der Teilkasko-Versicherung empfohlen. Alles mit einem Restrisiko zu behaften, ist jedermanns Sache nicht. Aber wer es mag… 

Dass scheinbar alle Risiken von uns versichert werden müssen, ist auf der einen Seite unserer Bequemlichkeit geschuldet, aber auch dem Wunsch nach Absolutheit und dem Wunsch nach absoluten Zuständen. 

Letztlich komme ich und kommt auch man zu dem Schluss, dass es wohl eine 100%ige Absicherung, wenn auch gewünscht, nicht geben kann. Bleibt nur die Einsicht in den Umgang mit dem Restrisiko. Das Restrisiko ist häufig in der eigenen Psyche begründet, also muss man sie mehr stärken, um sie gegen das Restrisiko zu mobilisieren. Die Immunisierung kann dann eigentlich nur durch stetig wiederkehrende Highlights im persönlichen Leben erfolgen. Worin diese Highlights bestehen, ist dann jedem selbst überlassen. Eine Voll- oder Teilkasko für das Leben kann also nur darin bestehen, sich persönlich stark genug zu machen, um den Wirren des Lebens zu trotzen. 

Man könnte das auch wie folgt zusammenfassen: Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück. In diesem Sinne: Viel Glück 

Kopfwürmer

Och menno! 

Es gibt so Tage, da will die Säge sägen, um mal einen alten Sozialpädagogen aus meiner Zivildienstzeit zu zitieren. Manchmal kann ich mit meiner Einschränkung relativ gut umgehen und damit leben und dann gibt es Tage, da werde ich vor allem für mich selber und mein Umfeld zur Belastung. Dabei will ich das ja gar nicht! Aber, wie gesagt, manchmal ist das einfach so – die Krankheit braucht manchmal ihren Raum. Und dieser Raum wird ja offensichtlich manchmal nicht im genügenden Maße von mir zugestanden. 

An solchen Tagen ist es anstrengend, weil jede Verhaltensweise von mir dahingehend überprüft wird, ob es etwas mit der Krankheit zu tun haben könnte oder keinen ernsten Hintergrund hat. Einfach vor sich hin leben ist da eben nicht. 

Andererseits sorgt es so auch dafür, dass ich jeden Tag bewusst lebe. Das heißt nicht, dass ich jeden Tag Müsli esse, sondern mir einfach klar mache, dass mein Leben – so anstrengend es auch manchmal ist – über viele positive Aspekte verfügt, die ich mir nur immer wieder klar machen muss, mehr als ein Nicht-Erkrankter. Oft können das auch Nichtigkeiten bzw. kleinste Kleinigkeiten sein. So zum Beispiel freue ich mich gerade immens über die Formulierung mit dem Müsli, die – wie ich finde – genau das sagt, was ich meine. Andere Frühstücks-Cerealien will ich gar nicht klein reden, auch Cornflakes haben ihre Berechtigung. Das herkömmlich geschmierte Butterbrot – oft auch als Pausenbrot bekannt – soll hier ebenfalls genannt werden. 

Zurück zu den zersägten Tagen: Solche Tage kennt ja jeder, die von A bis Z voll für die Tonne sind. Ich bin da schnell versucht, sie meiner Erkrankung zuzuschreiben, um dann festzustellen, dass diese natürlich oft mit meinem körperlichen Unvermögen zu tun haben. Das körperliche Unvermögen hat ja eigentlich nichts mit der geistigen Beweglichkeit zu tun. Soll heißen: Bloß weil ich körperlich kein Marathon mehr machen kann, kann ich diesen aber geistig tun. Dies darf dann nur nicht versehentlich zu einer Traumvorstellung werden. Damit die Realität nicht allzu frustrierend wird, sollte sie immer mit schönen Dingen angereichert werden. Traum und Realität sind also zwei Seiten derselben Medaille, die Rolle von Numismatikern wird hier oft unterschätzt. Wenn einem das klar ist, kommt man durch beides gut durch. 

„Och menno!“ ist manchmal also okay, wird es aber zum dauerhaften Zustand: Obacht! 

Kopfwürmer

Kopfsteinpflaster 

Kopfsteinpflaster ist sehr hübsch anzuschauen, aber oftmals leider relativ uneben und daher für Rollstuhlfahrer doof. Jetzt kann man ja nicht erwarten, dass alle mittelalterlichen Plätze für Rollifahrer umgebaut werden, aber eine durchgehende Rollifahrer-Spur wäre echt nett. Außerdem sind große Märkte, zum Beispiel der Weihnachtsmarkt, immer eine Arschparade für Rollifahrer, von daher weiß ich von deren Bedeutung für das Wohlbefinden gar nicht so. 

Der Begriff rollstuhlgerecht sei hier in Bezug auf Ferienhäuser auch nochmal genauer überprüft. Oftmals trifft dies – obwohl so ausgewiesen – bei näherer Betrachtung gar nicht zu. So müsste ich in einer Vielzahl der Fälle, um auf`s Klo zu gehen, aufstehen können. Da dieses in näherer Zukunft nicht der Fall zu sein scheint, selbst unter Berücksichtigung eventueller Wunder, wäre es wünschenswert, dass solche Portale ausgewiesene Barrierefreiheiten der Unterkünfte zunächst einmal selbst ausprobieren oder zumindest die Bilder überprüfen. 

Die hiesige Zugänglichkeit vieler öffentlicher Gebäude, zum Beispiel von den meisten Schulen ist noch nicht rolligerecht. Und wenn man erstmal einen Lageplan braucht, um Zugang zu bekommen, trägt dies nicht gerade zur Inklusion bei. 

Skandinavische Länder machen es vor, wie es gehen kann. Dort ist es Pflicht, dass für alle öffentlichen Gebäude inklusive Einkaufsläden etc. ein Zugang für Rollifahrer möglich ist. Warum ist es hier so schwierig? 

Apropos Arschparade: Man könnte ja geneigt sein, die zuständigen Politiker in einer selbigen zu sehen, aber so viel Polemik wäre meine Sache nicht. Dennoch wird`s mal dringend Zeit, dass sich hier so einiges ändert. Schon alleine, dass man sich immer als Bittsteller vorkommt, ist doof. Rollifahrende Mitbürger sind doch keine Ausnahmen, nur trauen sie sich jetzt so langsam mehr vor die Tür und werden nicht mehr in Heimen weggeschlossen. 

Wenn schon die Inklusion ausgerufen wird, dann müsst ihr schon damit leben, dass die Betroffenen ihre eigenen Vorstellungen von den notwendigen Bedürfnissen haben. Man ist dennoch geneigt, sich zu folgendem Spruch hinreißen zu lassen: 

Unter den Blinden ist der Einäugige König. Wer was ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden. 

Kopfwürmer

Taschenlampe 

Meine Erkrankung soll wie schon erwähnt bei meinen Texten nur eine untergeordnete Rolle spielen, da ich glaube, dass viele Menschen die gleichen Ängste haben wie ich, auch wenn sie nicht erkrankt sind. 

Die Zukunft stellt sich immer wieder als dunkler Raum dar, deren Helligkeit nur vom eigenen Handeln abhängt. Die Helligkeit muss ja nicht immer taghell sein, also lasst uns zu Taschenlampen greifen und uns den Weg ausleuchten! Jeglicher Versuch, den Weg des Lebens zu beschreiten (Pathos, Pathos…hurra!), ist bei genauerer Planung zum Scheitern verurteilt, es sei denn, er ergießt sich in der Feststellung, irgendwann ein Ziel erreicht zu haben. Das soll nicht heißen, dass sämtliche Ziele im Leben überflüssig werden, sondern vielmehr, dass das Leben eine ständige Anpassung an tatsächliche Gegebenheiten erfordert und zwar von jedem, egal ob er erkrankt ist oder nicht. In meinem Fall wäre dies das Leben mit dieser blöden Erkrankung. Meine Taschenlampe ist mein Wille, das Leben trotz der Krankheit nicht im Dunkeln enden zu lassen, sondern diese mithilfe der Taschenlampe so gut es geht auszuleuchten. 

Unwägbarkeiten können so oft rechtzeitig erkannt werden und müssen nicht zwangsläufig zu Sackgassen werden. Das Weiterleuchten zeigt mir, wie der Weg durch die Dunkelheit trotzdem immer weitergeht. Es zeigt mir aber auch, dass links und rechts von dem Taschenlampenlicht Dunkelheit herrscht und der Fokus vor allem durch mein Handeln verändert wird. Was dabei stets schwerfällt, ist die Abhängigkeit von anderen, die nervt mich. Abhängig ist letztlich ja jeder von anderen. Aber in meinem Fall – also wegen der Erkrankung bzw. der Tatsache, dass ich im Rollstuhl sitze und mich nicht mehr selbstständig fortbewegen kann – wird die Abhängigkeit unmittelbarer. 

Gerade deshalb müssen immer genug Batterien für die Taschenlampe vorhanden sein, alles, was dazu beiträgt, das Licht leuchten zu lassen oder sogar heller leuchten zu lassen. Die Batterien können individuell verschieden sein. Dies können zum Beispiel sein: der Besuch eines Konzerts der Lieblingsband, der Überraschungsbesuch von lange nicht mehr gesehenen Menschen, Freunde oder – das Wichtigste – die Familie. 

Letztlich ist man immer selber dafür zuständig, so blöd sich das anhört, dass die Batterien nie leer werden. Also lasst uns die Taschenlampe stets dazu benutzen, den Weg hell erstrahlen zu lassen. 

Kopfwürmer

Die Klugscheißerei 

Die banale Klugscheißerei wurde von mir zur Profession geadelt. Nicht mehr nur einfach alles besser wissen, sondern jetzt auch mit staatlichem Examen alles besser wissen zu dürfen / müssen. 

Das war zunächst eine schöne Sache, aber je häufiger das Ganze angezweifelt wurde, desto anstrengender wurde es. Nicht wegen der anschließenden Diskussion, sondern wegen der permanenten Unterstellung, es nicht besser zu wissen. Das kann schon sehr nerven! Dabei war doch mein Besserwissen staatlich lizensiert und Schlausein macht leider manchmal ganz schön einsam. Aber nun ja, in der Not frisst der Teufel Fliegen, wie man so schön sagt. Ich entschied mich also, mich doof zu stellen, denn Doofe haben es meiner Beobachtung nach leichter im Leben. 

Das genau wurde auch zu meinem Grundproblem: Etwas zu wissen wird von der Umwelt stets in Frage gestellt. Das macht Wissen oft sehr anstrengend. Nichts zu wissen, macht dagegen nichts, um mal einen alten Sponti-Spruch zu bemühen. Ein anderer wäre ja dann: Wissen ist Macht. Wie sehr Wissen Macht ist, wird mir immer klarer, je mehr mein Wissen angezweifelt wird. Aber auch sich doof stellen , hilft auf Dauer nicht. Doofheit muss irgendwie authentisch sein, sonst wirkt sie unglaubwürdig. 

Schwierig wird`s nur, wenn Doofheit mit Schlauheit verwechselt wird. Man sollte stets darauf achten, dass Aggressionen oder Dominanz kein Zeichen von Intelligenz sind. 

Das Feld der Doofheit wird von vielen Treckern gepflügt. Aber auch hier können viele Köche den Brei verderben. Treckerfahren darf man ja auch schon ab 16 Jahren. Dies könnte einen schon zu dem Hinweis verleiten: Kinder an die Macht. Jedoch, das alte Grönemeyer-Album „Sprünge“ greift nach meinem Dafürhalten zu weit, weil ich glaube, dass Kinder noch nicht weit genug sind, diese Macht auszufüllen. Ihre Naivität hilft nur im ersten Moment, gemischt mit Erwachsenenverhalten kann daraus eine brisante Mischung werden. Auch hier stellt sich das Problem, dass Kindern oft Eigenschaften zugeschrieben werden (meist von den Eltern), die über die eigentlichen Fähigkeiten hinausgehen. 

Fazit: 16 jährige Treckerfahrer können zur Gefahr für den Straßenverkehr werden, wenn auf dem Feld der Dummheit gepflügt wird. Das gilt natürlich nicht für staatlich lizensierte Klugscheißer. 

Kopfwürmer

Mein Jodeldiplom 

Okay, okay… Also das Land Niedersachsen hatte vor ca. 6 Jahren beschlossen, mich in den Ruhestand zu schicken. 

Meine zwei Examina und die abgeschlossene Trainerausbildung zählten nicht mehr. Da sollte mir das Land Niedersachsen nicht mit Lehrermangel kommen. Natürlich ist mir durchaus bewusst, dass mein Sprechen gewöhnungsbedürftig ist, aber durchaus verständlich – man muss halt manchmal genauer hinhören. Die Fähigkeit des genaueren Hinhörens wurde den Schülern und Schülerinnen abgesprochen und den Fakt des Eigentores bemerkt hoffentlich bald mal jemand. Leider ging dies zu Lasten meiner Person. „Der Aufwand wäre zu groß gewesen“, war die Aussage. Gerade in Zeiten der Inklusion erscheint es einem als blanker Hohn, wenn nur auf Seiten der Schüler Behinderungen vorkommen dürfen, zu deren Ausgleich alles erdenklich Mögliche getan wird, was ja durchaus berechtigt ist. Aber auch Lehrkräfte brauchen vielleicht eine ihnen angemessene Hilfestellung. Das deutsche Beamtenrecht ist schon was Feines. Vielleicht wird irgendwann bemerkt, dass seit dem alten Preußen – aus dieser Zeit stammt es nämlich – sich in Deutschland einiges verändert hat. 

Dieses soll keine unbegründete Anklage werden über das Verhalten der Behörde. Vieles davon kann ich nachvollziehen, auch wenn ich fürchte, dass sich seitens der Behörde nicht so viel Gedanken gemacht wurde wie meinerseits über die noch mögliche Betätigung als pädagogischer Helfer im Trainingsraumkonzept. Für mich wäre es eine Chance gewesen, es zumindest zu probieren. Für die Zuständigen war es mehr eine Bearbeitung eines weiteren Falles und ein Abarbeiten der rechtlichen Pflichten. 

Das stete Jammern und Klagen über meine Erkrankung hilft ja nicht, sie ist nunmal da. Texte wie dieser sind Ausdruck meiner Wut und Hilflosigkeit angesichts vermeintlicher Untätigkeit. Also brauchte ich halt etwas Eigenes: Da brauchte ich mein Jodeldiplom. Mein Jodeldiplom ist mein Blog, der mir die Möglichkeit gibt, mich und meine Gefühle und Gedanken zu artikulieren, wenn auch mit Hilfe beim Tippen. Er ist die von mir neu gewählte Aufgabe, die mich weitestgehend ausfüllt und belustigt am Leben erhält. Das Schreiben von Texten findet zwar stets in meinem Kopf oder im Austausch mit meiner Frau beim Tippen statt, dennoch fehlt mir der direkte soziale Kontakt mit anderen. 

ABER: Durch den Blog haben sich auch wieder Kontakte ergeben zu Menschen, zu denen ich lange Zeit gar keinen Kontakt hatte und wieder anderen, zu denen ich vorher nie Kontakt hatte. Jodeln macht halt in der Gruppe mehr Spaß und ich danke all den Mitjodlern von Herzen! 

Kopfwürmer

Der große rosane Elefant im Raum 

Also ich muss mal ein bisschen was loswerden. Mir ist durchaus klar, dass mein jetziges Erscheinungsbild natürlich mit dem vor Jahren nicht zu vergleichen ist. Das tut mir mindestens genauso leid wie euch. Aber es hilft mir leider wenig, wenn mir aus dem Weg gegangen wird oder das Ganze ignoriert wird. Die Erkrankung fordert nunmal ihren Tribut. Oft genug sind die körperlichen Anzeichen jedoch nur zeitweilig. Es darf also immer das Motto gelten: Die Hoffnung stirbt zuletzt, soll heißen: kein Zustand ist absolut. 

Herr Müller und Ernesto sind Ausdruck meiner Langeweile, wie schon bemerkt, aber trotzdem sind sie ein Teil meiner Erkrankung. Wenn auch, so hoffe ich, ein eher belustigender. Da ich ungern alleine lache, müsst ihr also mitlachen. Nachdem ich mir nun schnell das Grinsen aus dem Gesicht gewischt habe nach dem letzten Satz, geht es nun ernsthaft weiter. 

Also wie gesagt, die Erkrankung ist für alle Beteiligten doof, aber sie hält mich trotzdem nicht davon ab, gelegentlich mal zu lachen. Der große rosane Elefant soll also durchaus bemerkt werden, aber soll im Hintergrund bleiben und kein Anlass zum Mitleid werden. Weil nämlich Mitleid kann ich nicht gebrauchen. Die Erkrankung und mein Leben damit sollte öfter im Blog thematisiert werden, so die Forderung. Die Erkrankung wird nur nebenbei thematisiert, weil sie eben nicht Mittelpunkt meines Lebens ist und auch nicht sein soll. Auch wenn dies die Einschränkungen oft erfordern, sollen sie nicht zum Hauptthema werden. Soll nicht heißen, die Krankheit weg zu ignorieren. Aber frei nach Loriot: Ich lasse mir von einem Fernseher nicht vorschreiben, was ich wann zu gucken habe, lass ich mir von meiner Erkrankung nicht vorschreiben, was wie zu sein hat. So! 

Dass meine Frau und mein Sohn viel auszuhalten haben, ist mir durchaus bewusst. Gern würde ich anders zur Verfügung stehen, aber geht nunmal nicht. Was mich dabei am meisten nervt, ist zum Beispiel, dass ich keine Hilfe sein kann, wenn meine Frau (wie heute) ein ganzes Regal durch die Gegend schleppt. Oder ich für meinen Sohn nur bedingt als Sparring-Partner zur Verfügung stehen kann. Ich würde so gerne mehr mit ihm machen können. 

Der rosane Elefant wird dann relativ deutlich und sehr dominant in seinem „Handeln“. Dennoch dürfen einen rosane Elefanten nie von den eigenen Zielen abbringen. Natürlich besteht das übergeordnete Ziel darin, dass diese Erkrankung endlich geheilt werden kann. Solange das nicht so ist, müsst ihr wohl weiter meinen Blog ertragen.