Der Hydrant  Kowalski lebt

Der Hydrant 

Waltraut entdeckte im Laufe der Zeit, dass das Rückstoßverhalten von Hydranten doch geringer war als das der Laternenmasten. Diese waren daraufhin die von ihr bevorzugten Orte, sich zu erleichtern. Die Problematik, dass Weibchen nach wie vor ihr Bein nicht hoben, um sich zu erleichtern, führte sie schnell zu der Erkenntnis, dass wohl die massive Bauweise der Hydranten dafür verantwortlich war. Aber da sie sich als Weibchen maximal davor setzen konnte, war das eh unerheblich. Meine Versuche, ihr das passende Pinkelverhalten beizubringen, trugen langsam Früchte. Hydranten waren aber auch einfach schöner anzusehen als schnöde Laternenmasten. Außerdem fand sie die Tatsache, dass Wasser aus den Hydranten zu jeder Zeit von der Feuerwehr benutzt werden konnte, spannend. 

So erlebten wir einmal, dass es einen Feuerwehreinsatz gab, in dessen Mittelpunkt ein Hydrant stand, an den Schläuche angeschlossen wurden, um einen in Brand geratenen E-Roller zu löschen. Die ganzen Bewohner der Straße standen natürlich um diesen spektakulären Einsatz herum und guckten interessiert zu. Waltraut und mein Job bestand darin, die Schaulustigen vom Brandherd zu vertreiben, damit die Feuerwehr ungestört ihre Arbeit verrichten konnte. 

Waltraut überlegte kurz, ob sie jetzt auch zur Freiwilligen Feuerwehr gehen sollte, verwarf ihren Gedanken aber schnell wieder, als ich ihr sagte, dass wir hier nur eine Berufsfeuerwehr hatten und diese keine Hunde nehmen würde. Die Möglichkeit der Freiwilligen Feuerwehr bestand für Hunde gar nicht. Außerdem hätte es wohl lustig ausgesehen, wenn Hunde jetzt Feuerwehrhelme und -jacken trügen. Das Problem war, dass die Helme ihnen in den Nacken rutschten und so ein sicherer Halt kaum gewährleistet werden konnte. Auch der umzuschnallende Gürtel war bei Hunden schwer anzubringen. Dennoch wurde sie als Maskottchen der Berufsfeuerwehr aufgenommen und Helm und Jacke wurden dafür passend geschneidert. 

Waltraut sicherte sich aber nicht nur den Job als Maskottchen, sondern war schließlich auch offiziell dafür zuständig, Schaulustige und Gaffer vom Brandort zu vertreiben. Gezogene Handys wurden von ihr unter lautem Gebell einkassiert. 

Ach wären doch alle Menschen wie Waltraut! 

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